17.04.2026 | Kinoorgel | DEMENTIA (US 1955, John Parker) & THE LIFE AND DEATH OF 9413: A HOLLYWOOD EXTRA (US 1928, Robert Florey, Slavko Vorkapich)

DEMENTIA

US 1955, R: John Parker, 56‘, kein Dialog, DCP

THE LIFE AND DEATH OF 9413. A HOLLYWOOD EXTRA 

US 1928, R: Robert Florey, Slavko Vorkapich, 13‘, stumm, DCP

Wir freuen uns bei GEGENkino meets Kinoorgel nach unseren Abenden mit den experimentellen Landschafts- und Puppenwelten von SLEEP HAS HER HOUSE und BLOOD TEA AND RED STRING eure Seh- und Hörgewohnheiten zum dritten Mal auf die Probe zu stellen. Haben wir in den bisherigen Kinoorgelperformances gegenwärtiges Kino mit altehrwürdiger Kulturpraxis der Stummfilmzeit verbunden, so gehen wir dieses Mal tatsächlich in die Produktionszeit der 1920er Jahre zurück – um dann den Bogen bis in die 50er zu spannen. Musikalisch haben wir es ebenfalls mit einem „Double Feature“ zu tun: Die Organistin Anja Kleinmichel wird gemeinsam mit Lutz Eitel an E-Gitarre und Samplern DEMENTIA (1955) von John Parker und THE LIFE AND DEATH OF 9413. A HOLLYWOOD EXTRA (1928) von Robert Florey und Slavko Vorkapich vertonen. 

Ein Abend, der ganz im Zeichen der US-amerikanischen Filmavantgarde und -neoavantgarde sowie zugleich des albtraumhaft gestalteten Genrefilms steht: Schummrige Gassen, Schlagschatten, traumgleiche Sprünge in Ort und Zeit, bedrohliche, keine klare Erzählung mehr vermittelnden Seelen- und Stadtlandschaften, ein Schauspiel, das sprung- und ruckhaft keine Pathosformel auslässt und direkt aus der Leinwand herausgreift. Kurz: eine Welt, die in Form und Inhalt aus den Fugen geraten scheint. 
Das verbindet beide Filme des Abends, die sichtlich vom europäischen Expressionismus und Surrealismus der 1910er und 20er Jahre beeinflusst sind. Der überaus selten gezeigte THE LIFE AND DEATH OF 9413. A HOLLYWOOD EXTRA (1928) dreht sich um die Welt Hollywoods, genauer um einen Mann, der dort sein Glück als Schauspieler sucht, aber stattdessen als namenloser Statist unter die Räder gerät. Ein fratzenhafter Filmessay, der zwischen Satire und Formexperiment pendelt und dabei auch die horriblen Welten vorwegnimmt, die Regisseur Robert Florey wenig später mit der Poe-Verfilmung MURDERS IN THE RUE MORGUE (1932) gestalten sollte. 

Im Horrorgenre ist auch der ohne Dialog komponierte DEMENTIA angesiedelt, der zunächst 1953 vom New York Film Board wegen seiner als sensationalistisch empfundenen Darstellung weiblicher Gewalt als „Inbegriff von Grausamkeit“ (quintessence of gruesomeness) verboten wurde und nach seiner Veröffentlichung schnell in Vergessenheit geriet. Solch eine Protagonistin war zu viel für den damaligen Filmmarkt: Im Film erwacht sie des Nachts und streift – eine weitere Parallele zum Vorfilm – durch Hollywood, geplagt vom Trauma ihrer Vergangenheit. Doch auch die Gegenwart ist prekär. Halbschattige Männer, Figuren, direkt der Unterwelt entsprungen, lungern auf den Straßen herum und bedrohen sie; im Hollywood Tribune ist von einem „Mysterious Stabbing“ die Rede. Sie fährt mit einem reichen Mann in einer Limousine in dessen Hotelzimmer, dort kommt es zum Eklat. 
Was befeuert die Gewaltfantasien der Heldin?
John Parker inszeniert den von ihm produzierten DEMENTIA – im Übrigen sein einziger Regiecredit – wie einen Albtraum, als holzschnittigen Bilderfluss, der auf ein schreckliches Finale zuzusteuern scheint. Im Original findet die Musik des Avantgardisten George Antheil dafür bedrohliche Klänge. Wir sind sehr gespannt, ob die Interpret:innen Anja Kleinmichel und Lutz Eitel daran anknüpfen, oder ob sie mit uns ganz andere Wege durch Horror-Noir-Hollywood gehen. 

So 17 April
Grassi Museum
Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig
19:30 Uhr

Vertont von Anja Kleinmichel und Lutz Eitel
Eintrittspreis: 12€ (ermäßigt: 10€)
Tickets gibt es bei tixforgigs