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Thanks again to ricaletto and Alex Brade for the design and layout and all! Swell!
Let us continue—with CONTINUITY! We’re kind of excited to be able to show this new film by Israelian artist and director Omer Fast, because it’s really that brilliant a film; arguably quite unlike everything you’ve seen of recent German cinema lately. CONTINUITY will be screened on 08 April, 10pm at Schaubühne Lindenfels. If the title sounds familiar to you: a shorter version of the film was already shown at dOCUMENTA13 back then and at Martin-Gropius-Bau recently – and now here’s the feature length version of it. Fill your heads with information and antecipation by reading more about it below.
CONTINUITY
D 2016, R: Omer Fast, D: André Hennicke, Iris Böhm, Constantin von Jascheroff, OmeU, 85’, DCP
CONTINUITY beginnt als emotionale Geschichte einer Rückkehr nach Hause. Thorsten und Katja, ein verheiratetes Paar mittleren Alters, holen immer wieder junge Soldaten in Bundeswehruniform vom lokalen Bahnhof ab. Jedes Mal ist es ein anderer Kriegsheimkehrer, den sie mitnehmen und dem sie bei sich zu Hause einen festlichen, wenn auch etwas unbeholfenen Empfang bereiten. Eines haben alle jungen Männer gemeinsam: auf dem Namensschild ihrer Uniformen steht „Fiedler“ – der Familienname der beiden Eltern. Und alle diese jungen Männer verschwinden – auf nicht geklärte Weise. Es bleibt unaufgelöst, ob es einen Daniel Fiedler jemals gab, woher Trauer und Hoffnung der Eltern rühren und ob die jungen Männer womöglich Prostituierte sind, die dem Paar helfen sollen ihre Trennung abzuwenden. CONTINUITY baut eine immense Spannung auf, nimmt einen gefangen, schlägt erzählerische Volten, wechselt Identitäten, wird aber an keiner Stelle so labyrinthisch, dass er den Kontakt zum Publikum verliert. Immer wieder werden subtile Fährten gelegt, zwischendurch flackern klare Momente auf, bevor es dann gleich weiter geht, hinein in die nächste raffinierte, inhaltliche Verwicklung, in einen weiteren Loop. Als Variationen eines unheimlichen Rituals samt seiner sonderbaren Rollenspiele kippen diese immer wieder ins unerwartet Erotische. Omer Fasts Interessen sind das Stolpern, das Herausfallen aus der Linearität einer Geschichte. Resultat sind produktive Irritation und die Dekonstruktion der filmischen Wirklichkeit. Unglaublich gut.
08. April, 22 Uhr – Schaubühne Lindenfels
This April marks the 15th anniversary of the escalation of the Bosnian War, pictures of which might still roam in some of yours heads. Now, the relation between cinema and war has always been a problematic and critical one and one raising seemingly endless questions. But only rarely were these questions really tackled in and through cinema itself. Austrian filmmaker Selma Doborac does just that in her most recent film THOSE SHOCKING SHAKING DAYS, which takes the Bosnian War as a starting point for her cinematic reflections, resulting in an essayistic film that is certainly not easy to watch and one that invokes to discuss. Therefore, we’re very happy to have the director Selma Doborac coming to the screening on 09 April, 7pm at Schaubühne Lindenfels for a Q&A and for talking with us about her film.
Read more about THOSE SHOCKING SHAKING DAYS below and over at sixpackfilm.com.
In Anwesenheit der Regisseurin Selma Doborac
THOSE SHOCKING SHAKING DAYS
AT/BA 2016, Dok, R: Selma Doborac, dts. OV, 88’, DCP
Thematisiert und gleichsam in Betracht gezogen wird das Scheitern, die Unsagbarkeit, nicht zuletzt auch die Überforderung. Die der Filmemacherin und die der Adressierten. Doch findet sich Selma Doborac in ihrem Essayfilm THOSE SHOCKING SHAKING DAYS damit nie ab. Lange und statisch ruhen die Bilder von verlassenen Häusern im quadratischen Format, ohne dass hier irgendetwas in Ruhe gelassen würde. Sprache überwuchert das Bild wie die Zweige, Sträucher und Gräser die ehemals bewohnten Gebäude. Die Text-Inserts zerfasern, zersetzen die uns dargebotenen, visuellen Informationen und schreiben sich ihrer Struktur ein wie die Pflanzen in die Fassade. Doch die in Form herausfordernder Fragen ausufernden Satzlandschaften überdecken dabei nicht, sondern legen frei: die Methode, die Komplexität, das Unbehagen, die Notwendigkeit. In dieser filmischen Annäherung an den Bosnienkrieg und an das Phänomen Krieg im Allgemeinen geht es unter anderem „um den Versuch eine verstümmelte Welt zu besingen“, wie es Doborac in Anlehnung an ein Gedicht von Adam Zagajewski selbst einmal beschreibt. Es ist eine Annäherung, die um die Grenzen von Verbild- und Versprachlichung weiß und trotzdem nicht drum herumredet. Die das schiere Konstatieren, den reinen Beobachter-Status leid ist und die stattdessen in viele Wunden Finger legt. Ein selbstreflexives, scharfsinniges Philosophieren, „ein Film mit blauen Flecken“ (Jean-Pierre Rehm). Dem Einzelschicksal verpflichtet. Dem Universellen verschrieben.
09. April, 19 Uhr – Schaubühne Lindenfels
Maybe you’ve seen some films by the likes of Pedro Costa or Miguel Gomes already, then it should be no big news for you anymore that contemporary Portuguese cinema is definitely something to keep on radar. Not unlike those two directors, João Pedro Rodrigues’ cinematic language is also quite unique and inventive and his way of storytelling beautifully weird. Reason enough for us to include his most recent work O ORNITÓLOGO (THE ORNITHOLOGIST) in our programme. You can already see the trailer below. The whole film will be screened on 11 April, 8pm at Luru Kino, including important travel safety tipps for your next birdwatching tour through the Portuguese countryside.
O ORNITÓLOGO / THE ORNITHOLOGIST
PT/F/BRA 2016, R: João Pedro Rodrigues, D: Paul Hamy, Xelo Cagiao, Han Wen, Chan Suan, OmeU, 118’, DCP
Fernando ist ein einzelgängerischer Ornithologe, der auf einem abgelegenen Fluss im Norden Portugals nach dem seltenen Schwarzstorch Ausschau hält, bis sein Kanu von der Strömung mitgerissen wird und kentert. Wieder bei Bewusstsein, befindet er sich in einem Wald, gerettet von zwei chinesischen Pilgerinnen auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela. Aus Fernandos Weg zurück ins Leben wird eine surreale Reise nach Innen, in der sich die Geschichte zunehmend auflöst, sich Zeit- wie Raumschranken entledigt und einen sexuellen Mythos etabliert. Dabei muss niemand wissen, dass THE ORNITHOLOGIST Rodrigues’ autobiografische Zerlegung und unbekümmert freie, blasphemische Modernisierung des klerikalen Antonius von Padua-Geschichte ist, um den Film zu mögen. Im Gegenteil: die wechselhaften, wunderbar exzentrischen Episoden, die mysteriöse Dichte und doppelbödige Sinnlichkeit der Bilder fesseln von Anfang an. THE ORNITHOLOGIST ist ein losgelöstes Kino, das sich mit seinen Figuren in ständiger Verwandlung befindet, nur sich selbst unterworfen – ein Kino, das die Schwerkraft linearer Narrativität und festgefahrener Vorstellungen hinter sich lässt wie die Vögel die irdische Schwerkraft. Bei vielen anderen würde solch eine assoziative Fabulierlust den Film auseinanderfallen lassen, doch Rodrigues vermischt mit eindrucksvoller Kontrolle Motive, die scheinbar nicht zusammen passen. Er verleiht den Episoden eine eigensinnige Kohärenz, die einen bei der Stange hält – und die auch lässig dem Blick standhält, den die Vögel im Film immer mal wieder von oben herab zurück auf Fernando werfen.
11. April, 20 Uhr – Luru Kino in der Spinnerei
Now, for some more “science” fiction: On April 12 at Luru Kino we’ll have a gamy double screening featuring TARA, the new short film by young filmmaker Felicitas Sonvilla off of MOTEL director’s collective and the most recent work by Taiwanese new media artist Shu Lea Cheng: FLUIDØ—both of which you might’ve see at this year’s Berlinale… or might have not, and so here’s another opportunity. Check the trailers below (they’re worth it)!
TARA
D 2016, R: Felicitas Sonvilla, D: Sasha Davydova, Leo van Kann, Lena Lauzemis, OmdU, 30’, DCP
Erinnerung und Überwindung gehören zu den leitenden Motiven in TARA. Die in diesem Kurzfilm entworfene Gegenwart ist von Dunkelheit und Kälte gezeichnet. Bilder eines besseren Lebens findet Hauptfigur Mira nur noch in Erinnerungsfragmenten – jedenfalls bis sie von den Verheißungen des Ortes Tara hört. Diese weit im Osten liegende Gegend verspricht ein Leben, welches frei ist von den in den zentralen Regionen herrschenden Zwängen und sich lossagt von entfremdeten Verhältnissen, die das Dasein zu einem stummen Martyrium machen. TARA ist die neueste Arbeit des jungen Münchner Regiekollektivs MOTEL, welchem es hier gelingt, mit minimalen Mitteln ein erzählerisches und bildliches Szenario zu eröffnen, das in bestechender Weise an die großen Sci-Fi-Film Inspiratoren P. K. Dick, Stanislaw Lem oder die Strugatzki-Brüder erinnert.
12. April, 22 Uhr – Luru Kino in der Spinnerei
FLUIDØ
D 2017, R: Shu Lea Cheang, D: Candy Flip, Bishop Black, Kristina Marlen, William Morris, OmeU, 80’, DCP
2060. Wir befinden uns in einer Zukunft ohne Aids, in der ein neuartiges Rauschmittel grassiert. Die Droge wird aus sporadisch auftretenden HI-Virusmutationen gewonnen, ist durch Hautkontakt übertragbar und besitzt maximales Abhängigkeitspotential. Auch in dieser Zukunft sind Drogen noch illegal, Verfolgung durch die Geheimpolizei die Konsequenz. Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort, ein ungewöhnliches Szenario: Männer im Jockstrap stehen verkabelt aneinandergereiht und müssen im Akkord Sperma produzieren, das zur Herstellung von Medikamenten für die Pharmaindustrie benötigt wird. Anhaltende Einstellungen wechseln mit dicht getakteten Aufnahmen, die bis hin zu temporären Strobo Effekten gesteigert werden und stellen damit Körper(sekrete) und deren potenzielle Wirkmacht in den Mittelpunkt. Bevor es FLUIDØ auf die Leinwand geschafft hat, machte sich das Zero Gen als Performance, Installation oder Fotoausstellung einen Namen. Ein dystopischer Science-Fiction-Porn, in dem die Grenzen zwischen den Geschlechtern sowie zwischen homo-, hetero-, bi-, trans- oder intersexuell kontinuierlich verschwimmen. „Fluidø is virus, sex, hack, drug & conspiracy.“ (Shu Lea Cheang)
12. April, 22 Uhr – Luru Kino in der Spinnerei
















