11.09.2025 | QUEERPANORAMA (HK/US/CH 2025, Jun Li)

Eröffnungsfilm


HK/US/CH 2025, R: Jun Li, D: Jayden Cheung, Erfan Shekarriz, Sebastian Mahito Soukup, 87’, OmeU, DCP

„Do you do this often?“ – „Not everyone is into it. Thanks for being so open minded.“ Fetische werden ausgehandelt. Dialogfetzen aus einem schwulen Sexdate, von denen unser Protagonist zahlreiche erlebt. Er grindert sich von Lover zu Lover, zieht von Stadtvilla zu fensterlosem Kellerclub, zum öffentlichen Klo. Der namenlos Bleibende trifft unter anderem einen iranischen Doktoranden, der Underground-Raves organisiert, einen Arbeitsmigranten aus Thailand, der seit fünfzehn Jahren in einem mit Doppelstockbetten ausgestatteten Wohnheim lebt und ein britisch-taiwanesisches Paar, das versucht sich in unvertraute Kulturen einzupassen. Mit jeder neuen Begegnung beobachtet der Drifter die Lebensräume seiner Partner, nimmt in folgenden Dates Teile ihrer Identitäten an, erzählt Geschichten, die nicht seine sind. Ein Weg, sich mit dem eigenen Selbst auseinanderzusetzen, geprägt von flüchtiger Intimität, Entfremdung und Hochstapelei. 

Entlang dieser unverbindlichen Begegnungen und mit einem hohen Maß an Realitätsbezug, unter anderem mit präzise kadrierten Ansichten Hong Kongs und seiner Architektur sowie einem weitestgehend mit Laien besetzten Cast, entfaltet QUEERPANORAMA ein vielschichtiges Porträt Hong Kongs, seiner multikulturellen Hook-Up-Szene und unseres sehr charmanten Drifters.

Do 11 Sept 2025Luru Kino in der Spinnerei
19:00 Uhr€ 7,50 (6,50 ermäßigt)

Trailer

GEGENkino #11 | Crowdfunding

Das GEGENkino geht weiter – vom 11. bis 21. September im UT Connewitz, im Luru Kino und in der Schaubühne Lindenfels. Unser Poster ist wieder von @ricaletto86 mit Typografie und Layout von @alex.brade_spam.service.24 gestaltet und von @hanneshirche bei Rainbow Posters gedruckt worden.

Wir freuen uns auf unsere 11. Ausgabe und stellen euch bald das volle Programm mit etwa 30 Lang- und 50 Kurzfilmen vor. Gemeinsam mit euch und internationalen Gästen widmen wir uns unterschiedlichen Spielarten des unkonventionellen und ästhetisch-querstrebenden Kinos.

Derweil läuft unser Crowdfunding, damit alles wie geplant stattfinden kann – und ihr zum ikonischen GEGENkino-Merch kommt.

Kinoorgel | SLEEP HAS HER HOUSE (UK 2017, Scott Barley)

UK 2017, R: Scott Barley, 90′, kein Dialog, DCP

Wir freuen uns, die 2023 mit der Vertonung von BEGOTTEN (1989) eingeleitete Kooperation zwischen GEGENkino und Musikinstrumente-Museum des GRASSI-Museums fortzusetzen und bei GEGENkino meets Kinoorgel erneut Seh- und Hörgewohnheiten auf die Probe zu stellen: Stummfilmorganist Jürgen Kurz wagt mit uns das Experiment, einen Film von 2017 live an der Welte-Orgel zu vertonen – somit zeitgenössisches Filmemachen mit altehrwürdiger Kulturpraxis zu verbinden, wie man sie ansonsten mit der Stummfilmzeit bis Ende der 1920er Jahre assoziiert.

SLEEP HAS HER HOUSE ist der Titel von Scott Barleys preisgekröntem britischen Experimentalfilm – und dieser ist so bedeutungsoffen und entrückt wie die Bildwelt des Films selbst. Steht sie doch für eine traumgleiche, hypnotische, nicht zuletzt ungewohnt entschleunigte Kinoerfahrung. Barley zeigt uns in seinem ersten abendfüllenden Film eine Welt, die in tiefe Schatten und sublime Lichtstimmungen getaucht ist. Eine Welt, in der es vor der Kamera keine Menschen und nur wenige Tiere zu sehen gibt. Es ist ein Kosmos ohne Worte, ohne Kommentare. Während SLEEP HAS HER HOUSE ist das Publikum ganz auf sich und das Einsehen in Natureindrücke zurückgeworfen. Schaurig bewegen sich Wälder im Wind oder werden von Flammen verzehrt. Blitze zucken durch den Nachthimmel und reflektieren in von Regentropfen rhythmisch in Bewegung versetzten Wasseroberflächen. Andere Naturgebilde sind derart in Schatten und Nebel gehüllt, dass sie sich erst allmählich als Grotten und Waldlichtungen offenbaren. Zeit ist das Thema des Films, wenn es denn ein Thema gibt: Die tranceartige Statik der Bilder lässt uns die real vergehende Zeit näherkommen, sie konfrontiert uns mit unserem inneren Zeitempfinden. Wieviel Zeit ist schon vergangen? Wie lange wird es dauern, bis die Sonne hinter den Bergen untergegangen ist? 

Was wie bewegte, streng komponierte romantische Malerei und damit „unzeitgemäß“ anmutet, ist produktionsmäßig nichts weniger als ein Wunderwerk der Technik: Barley drehte die Bilder seines Films gänzlich auf einem iPhone 6 – nun kommen die wuchtigen Klangwelten eines Instruments anno 1931 hinzu. Der Filmemacher ist wie wir begeistert von dieser unorthodoxen Paarung. Wir hoffen, ihr auch!

Sa 05 AprilGrassi Museum Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig
19:30 UhrVertont von Stummfilmorganist Jürgen Kurz
Tickets gibt es bei tixforgigs

TRAILER

04.10.2024 | CAFÉ FLESH (US 1982, Stephen Sayadian)

US 1982, R: Stephen Sayadian, D: Andrew Nichols, Paul McGibboney, Michelle Bauer, 73′, OmeU, DCP

„Fähig zu existieren, zu spüren…alles zu fühlen – außer sexuelle Lust. In einer zerstörten Welt, einem mutierten Universum, teilen sich die Überlebenden auf in solche, die es können, und solche, die es nicht können. 99% sind Sex-Negative. Erotische Opfer. Sie wollen Sex haben, aber die bloße Berührung einer anderen Person macht sie krank. Der Rest, die glücklichen ein Prozent, sind die Sex-Positiven, diejenigen, deren Libido unversehrt geblieben ist. Nach dem Nuklearen Kuss bleiben die Positiven übrig, um zu lieben und zu funktionieren… Und die anderen, nun ja, wir Negative können nur zusehen… können nur kommen… ins… CAFÉ FLESH…“
Stephen Sayadians Hardcore-Film scheiterte bereits eine Woche nach der Premiere in Hollywoods Pornopalast, dem Pussycat Theatre. Zu befremdlich. Das Publikum wollte sein Geld zurück.

Doch CAFÉ FLESH wurde später als Kultfilm in den Mitternachtskinos wiederentdeckt, brach den Hausrekord im Nuart Theatre in LA und löste den Publikumsliebling PINK FLAMINGOS ab. Mit seinem farbenfrohem Dekor, dem Nu-Wave-Stil, seiner Synthese aus Punk-Mode und Fünfziger-Jahre-Dialogen übte er einen besonderen Reiz sowohl auf das ein junges, kunsthungriges Publikum als auch auf die lokale Punk-Szene aus, zu der Sayadian eine besonders Nähe hatte.

Restauriert von Peter Blumenstock.

Fr 04 OktUT Connewitz
20:00 UhrMit einem anschließenden Gespräch mit Daniel Bird (Autor und Kurator)
€ 7 (6 ermäßigt), im Doppel mit DR. CALIGARI
€ 12 (10 ermäßigt)

04.10.2024 | DR. CALIGARI (US 1989, Stephen Sayadian)

US 1989, R: Stephen Sayadian, D: Madeleine Reynal, Fox Harris, Laura Albert, 80′, OmeU, DCP

Sexuell verwirrt und stilistisch aus den Fugen geraten, zeigt diese psychedelisch-surrealistische Neo-Noir-Bearbeitung des deutschen Expressionismus-Klassikers von 1920 Laura Albert als Frau Van Houten – eine Dame, deren Libido gefährlich außer Kontrolle geraten ist. Es gibt nur einen Ort für sie: die Caligari-Nervenheilanstalt. Madeleine Reynal spielt Dr. Caligari, die Enkelin des ursprünglichen Doktors, deren eigene Experimente in der Psychosexualtherapie sie an den Rand einer radikalen Behandlung mit Hormonaustausch gebracht haben. Nachdem sie den sexuell unterdrückten Ehemann von Frau Van Houten unter Drogen gesetzt und eingesperrt hat, will Caligari die Gehirnflüssigkeit der unheilbar nymphomanischen Frau Van Houten extrahieren und in den Kopf eines kannibalischen Serienmörders (John Durbin) injizieren, der der Elektrokrampftherapie verfallen ist. Was kann da schon schief gehen? 

Mit dem aufsehenerregenden Bühnenbild von Stephen Sayadian (NIGHT DREAMS, CAFÉ FLESH), der üppigen Synthesizer-Musik von Mitchell Froom und den von Jerry Stahl (PERMANENT MIDNIGHT) geschriebenen Dialogen wirft DR. CALIGARI eine schmutzige Bombe auf die Familienwerte der Reagan-Ära. Der Film parodiert sowohl die Massenmedien als auch die Popkultur durch eine Reihe von inszenierten Zitaten, die ebenso exquisit gestaltet wie sexuell aufgeladen sind.

Fr 4. OktUT Connewitz
22:00 UhrMit einem anschließenden Gespräch mit Daniel Bird (Autor und Kurator) 
€ 7 (6 ermäßigt), im Doppel mit CAFÉ FLESH
€ 12 (10 ermäßigt)

TRAILER