17.09.26 | Die Kunst des ugandischen Live Dubbing – VJ Emmy begleitet EATEN ALIVE IN UGANDA (UG 2026, Nabwana I.G.G.)

POOR IMAGES

Eine der weltweit spannendsten Low- und No-Budget-Filmkultur findet seit vielen Jahren in Wakaliga, einem Slum von Ugandas Hauptstadt Kampala statt. Wakaliga ist der Name des Filmstudios, auch bekannt unter dem Namen Ramon Film Productions oder augenzwinkernd: „Wakaliwood“. Dort entstehen quirlige, keine Sensation und Unwahrscheinlichkeit auslassende Actionfilme, die es in ihrem Maximalismus mit Hollywood, aber auch mit Vorbildern aus Hongkong oder Indien aufnehmen wollen. Ein exzessiver Mix aus Referenzen auf Vorbilder westlicher Populärkultur und Einflüssen der eigenen Kultur. Kung-Fu-Kämpfe, Shootouts mit Bazookas, mit einfachsten Mitteln abgefeuerte Explosionen wie am Fließband und aus der Zeit gefallenes Bluescreen-CGI. Geschichten von Bandenkriminalität und Korruption, Romanzen à la Shakespeare und einem Heldentum epischen Ausmaßes. Ein DIY-Kino der „poor images“, das auch jenseits der Filmwelten ein filmkulturelles Phänomen ist: so setzt sich der Cast häufig aus Familienmitgliedern, Freund:innen und Nachbar:innen zusammen. Es ist ein radikal partizipatives Filmemachen: Gemeinsam entscheidet das Team über Aufgaben und Rollenverteilung. Auch die Auswertung der Filme ist ohne die eigene Community nicht zu denken: In der Regel erfolgt die Präsentation nämlich in sogenannten „kibandas“, selbst hergerichtete, gemeinschaftliche Orte, an denen die Filme nicht lediglich an die Wand gebeamt werden, sondern darüber hinaus von einem Live-Kommentator – „video joker“ (VJ) genannt – begleitet. Dieser kommentiert wie ein Erzähler, manchmal gar wie ein Animator, das Geschehen. Eine einzigartige Kino-Performance!

EATEN ALIVE IN UGANDA

UG 2026, R: Nabwana I.G.G., D: Alan Hofmanis Ssali, Isaac Newton Kizito, Mwebaza Faridah, 55′, OV mit Live-Kommentar, File

Der Regisseur Nabwana I.G.G. Ist eine der zentralen Figuren von Wakaliga – wir präsentieren mit EATEN ALIVE IN UGANDA die aktuellste Produktion des Studios, live begleitet von VJ Emmy, einem der profiliertesten VJs – laut der lokalen Community auch der mit dem besten Humor –, der aus Kampala zum Festival anreist. Im Film begibt sich ein US-amerikanischer Soldat in ein abgelegenes ugandisches Dorf im Bezirk Rakai, um dort seinen seit drei Jahren vermissten Bruder zu suchen. Dort heuert er Soldaten an, die ihm auf seiner Mission unterstützen, trifft dann im Hinterland auf einen etwas seltsamen Wissenschaftler und auf eine kannibalistische Voodoo-Sekte namens „The Dancers“, die zum Teil aus Zombies, zum Teil aus Kindern besteht, die auf den Geschmack gekommen sind. Gefangen in diesem Alptraum beginnt ein actiongeladener Wettlauf durch eine Horde aus Untoten. Wird er es schaffen seinen Bruder zu finden, bevor er mit seinem Helfern verschlungen wird?

FORGET THE DIRECTOR, THIS IS EMMY’S CUT!

UG/DE 2026, R: Marion Desmaret, 11′, OmeU, DCP

Als Eröffnungsfilm des Abends zeigen wir FORGET THE DIRECTOR, THIS IS EMMY’S CUT! von Marion Desmaret in ihrer Anwesenheit. Wie dem Titel nach zu vermuten dreht sich ihr kurzer, experimenteller Dokumentarfilm um Emmy Batte, alias VJ Emmy, den wir bei seiner Arbeit zu sehen bekommen. In provisorischen Kinosälen synchronisiert er live, übersetzt Dialoge in lokale Sprachen (vor allem Luganda) und fügt den Filmerzählungen witzige bis gesellschaftskritische Kommentare hinzu. Als VJ wie auch in diesem Film erobert er sich das Narrativ zurück, er schreibt das Drehbuch neu – ein Film voll heiterer Respektlosigkeit.

Do 17 September 2026UT Connewitz
21:00 UhrDeutschlandpremiere
In Anwesenheit von Marion Desmaret

€ 10 (9 ermäßigt)