Poor Images

POOR IMAGES

Ein armes Bild ist ein unterschätztes Bild und ein Gegenbild braucht ein Ursprungsbild. Eine Relation. Etwas, an dem zu reiben sich lohnt. Das GEGENkino verkörpert seit Minute eins unser Interesse an widerständigen, unbequemen, nonkonformen, experimentierfreudigen und sinnlichen Versuchen, Haltung zu zeigen, Film als eine Sprache in Bewegung weiterzubringen, neue Erfahrungen mit Räumen und Licht, Geräuschen und Musik, Materialien und Anordnungen zu machen.

Mit dem diesjährigen Schwerpunkt POOR IMAGES werfen wir einige (extrem subjektive) Perspektiven auf Kunstwerke, denen Perfektion ein Gräuel ist. Wir richten unsere Sinne auf diese unreinen und fehlerhaften, paradoxerweise sogleich marginalisierten wie dominanten Formen von Bildern. Inspiration und Namensgeber war uns dabei Hito Steyerls Essay „In Defense of the Poor Image“. Darin beschreibt sie auf wenigen Seiten pointiert die politischen, ästhetischen, sozialen, kommerziellen und globalen Bedingungen von armen Bildern, die vervielfältigt, bearbeitet und getauscht, gedownloadet, geächtet und dauerkonsumiert werden. Dauerkonsum ist ja schön und gut, aber ab wann wird aus einer Ansammlung von Pixeln eigentlich ein Bild, aus einem Handyvideo ein Film? Wo treiben die elitären Logiken von Qualität, Kanon und Geschmack ihre Nägel ins Fleisch der ungebremsten, hierarchiebefreiten Kreativität? 

Mit der Popularisierung der günstigen VHS-Technik in den 80er Jahren und den ersten, ungelenken Handykameras waren Wellen der Demokratisierung des Filmemachens verbunden. Neue Möglichkeiten der Teilhabe und der globalen Vernetzung eröffneten sich plötzlich und die Gräben zwischen künstlerischer Vision, Produktion, technischem Handwerk, Vermarktung, Präsentation, Archivierung und Kuration schienen endgültig zugeschüttet. Ab und an wurde auch mal die ein oder andere Machtdynamik aufgebrochen. Bis der sich selbst verdauende Killerkapitalismus wieder das Meiste zurecht geruckelt hat. Endlich also 8K. Pure. Visual. Perfection. Porentief rein. Wir sind ganz schön arm dran. Machen wir das Beste draus!

Sa 12.09.26
Luru Kino
14:00 UhrDRY LEAF
DE/GE 2025, R: Alexandre Koberidze, D: David Koberidze, Irina Chelidze, Giorgi Bochorishvili, OmeU, 186’, DCP
18:00 UhrKAMAL ALJAFARI
Geschichte ohne Bilder, Bilder ohne Geschichte

MIT HASAN IN GAZA

PS/DE/FR/QA 2025, R: Kamal Aljafari, 106’, OmeU, DCP
In Anwesenheit von Flavia Mazzarino (Produzentin und Mitarbeiterin von Kamal Aljafari)
20:00 UhrA FIDAI FILM
PS/DE/QA/BR/FR 2025, R: Kamal Aljafari, 78’, OmeU, DCP
In Anwesenheit von Flavia Mazzarino (Produzentin und Mitarbeiterin von Kamal Aljafari)
So 13.09.26
Luru Kino
15:00 UhrFRAUEN IN BERLIN
DDR 1981, R: Chetna Vora, 142’, OmeU, DCP
Einführung von Tobias Hering. Er ist Kurator sowie Publizist und hat in einer Langzeitrecherche zu Chetna Vora gearbeitet.