Special | MILIEU-KINO










US 1976, R: Carter Stevens, D: Susan McBain, Alan Marlow, Terri Hall, 84′, engl. OV, 35mm
Zum Abschluss zeigen wir am 13.09. ROLLERBABIES, ein durchaus obskures Fundstück Grindhousekino. ROLLERBABIES ist eine der frühesten Sci-Fi-Erotica-Parodien der 70er Jahre. In einer dystopischen Zukunft ist Geschlechtsverkehr aufgrund von Überbevölkerung verboten. Die Menschen müssen anti-aphrodisierende Pillen einnehmen, um ihre sexuellen Triebe zu unterdrücken. Nur lizenzierten Darsteller:innen ist es erlaubt, in Live-Fernsehübertragungen sexuelle Handlungen als Hilfsmittel zur Masturbation zu vollziehen.
Um seine Karriere zu retten, kommt der einfallsreiche TV-Manager Sherman Frobish auf eine gewagte Idee: Er veranstaltet einen Live-TV-Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer:innen auf Rollschuhen sexuelle Aktivitäten ausüben.
| Fr 13 Sept | Milieu Kino im Rabet Park |
| 16:00 Uhr | € Auf Spendenbasis |
Hommage | RAINER KOMERS
KOBE







DE/JP 2006, R: Rainer Komers, 45‘, Dok, ohne Dialog, 35mm
MA’RIB




DE/YE 2007, R: Rainer Komers, 30‘, Dok, ohne Dialog, 35mm
Film und Poesie, Bild und Ton, Stillstand und Rhythmus, Natur und Mensch: In KOBE gibt Rainer Komers in filigranen Licht- und Farbstimmungen sanfte Einblicke in die japanische Hafenmetropole gleichen Namens. Häufig von wiederkehrenden Klängen ausgehend, breitet sich ein Teppich voller kleiner Vignetten aus dem Alltag der Stadt vor uns aus. Der Film gleitet vom idyllischen Gartenteich zum Frachthafen hinüber, zeigt uns hektische Spielotheken und Fischauktionen genauso wie transzendente Entschleunigung im Tempel. Ebenso wie der zweite Film MA’RIB, wiederum ein Porträt von Mensch und Landschaft in und um die titelgebende jemenitische Antikenstadt, ist KOBE ein kurzer bis mittellanger Analogfilm, der es ganz uns überlässt, was wir bei seinen Assoziationsmontagen denken und fühlen wollen. Ein Kino, das Frederick Wisemans Städteporträts ähnelt.
Begleitet wird das Filmdoppel von Komers‘ Lesung eigener Gedichte, die in Analogie zur vorgestellten Filmpoesie eine Art filmische Poesie mitteilen: „Momentaufnahmen, Snapshots, werden als impressionistische Miniaturen gefasst, lauter Beobachtungen, die durch das Ich hindurchgehen und sich wort-/zeilenweise niederschlagen. Im Vordergrund steht die Aufmerksamkeit (…) für das tägliche Geschehen. (…) [E]mpfindlich registrieren sie Zeitläufe, verwandeln sie in poetische Konstruktionen.“ (Andreas Elb)
| Do 12. Sept | Luru Kino in der Spinnerei |
| 21:00 Uhr | In Anwesenheit von Rainer Komers € 7 (6 ermäßigt) |
Hommage | RAINER KOMERS
BARSTOW, CALIFORNIA









DE/US 2018, R: Rainer Komers, 76’, Dok, OmU, DCP
NOME ROAD SYSTEM








DE/US 2004, R: Rainer Komers, 26’, Dok, ohne Dialog, 35mm
Zwei Filme, die sich mit dem Filmblick eines Fremden US-amerikanischen Weiten widmen: In BARSTOW, CALIFORNIA porträtiert Rainer Komers die titelgebende Kleinstadt sowie Heimatort des schwarzen Dichters Spoon Jackson. Aus dem Off erklingt seine Stimme, aufgenommen im State Prison, denn Spoon verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Was das bedeute, habe er erst nach gut zehn Jahren realisiert, so ein Satz aus seiner wuchtigen Autobiographie, die oftmals über Landschaftstotalen der Wüstenregion gelegt ist. Manche seiner 14 Brüder leben noch dort, zeigen uns Orte von früher, ihr Elternhaus, das sich nur noch im Wüstenboden erahnen lässt. Sowieso ist Barstow mehr eine Stadt der geisterhaft unabgeschlossenen Vergangenheit als der Gegenwart – sieht man einmal vom geschäftigen Militärkomplex Fort Irwin ab. Und so kreist Spoon im verlesenen Text um seine Kindheit, die kurze Momente des Glücks, aber doch viel Gewalt enthielt. Reine Gegenwart ist für ihn die Gefängniszelle, die ihn zur Dichtung brachte, für die er in seinen Versen einen unprätentiös poetischen, in seiner Plastizität filmischen Ausdruck fand.
Wo in BARSTOW, CALIFORNIA die Sprache omnipräsent ist, fehlt sie im Kurzfilm NOME ROAD SYSTEM völlig. Ohne verbale Einordnung zieht eine Collage an filmischen Eindrücken, die Komers im ländlichen Alaska gewann, über die Leinwand. Tierausweidungen, Schlittenhunde, Picknicks, Nu Metal-Kids vor einer Kirche, immer wieder Transportwege.
| Do 12. Sept | Luru Kino in der Spinnerei |
| 19:00 Uhr | In Anwesenheit von Rainer Komers € 7 (6 ermäßigt) |
Special | MILIEU-KINO




US 1978, R: George Gage, D: Allen Garfield, Kathleen Lloyd, Leif Garrett, 97’, engl. OV, 35mm
Von Skateboards und Rollschuhen
Am 12.09. dann SKATEBOARD: ein Film, der der Schwerkraft trotzt und die aufblühende Skateboarding-Kultur der 70er Jahre einfängt. Sonnendurchflutete und dynamisch gefilmte Bilder aus Südkalifornien und Arizona zeigen Rollen auf allen möglichen Untergründen, von leeren Swimming Pools bis hin zu Abwasserkanälen. Dabei ist die Komödie SKATEBOARD der erste Major Studio Film, der sich dem Thema widmet: Manny Bloom, ein finanziell angeschlagener Manager, stellt ein Skateboard-Team zusammen, um an einem großen Wettbewerb teilzunehmen. Er rekrutiert talentierte Jugendliche wie den charismatischen Jason, die ehrgeizige Chrissie und den unberechenbaren Johnny. Der Film erzählt von individuellen Kämpfen und das Zusammenwachsen als Team. Mit atemberaubenden Skateboarding-Stunts und der Darstellung des rebellischen Geistes dieser Ära bietet SKATEBOARD einen Blick auf die Ursprünge dieses sympathischen Sports.
| Do 12 Sept | Milieu Kino im Rabet Park |
| 16:00 Uhr | € Auf Spendenbasis |





IR/DE 2023, R: Ali Ahmadzadeh, D: Amir Pousti, Shirin Abedinirad, Maryam Sadeghiyan, 99′, OmeU, DCP
Amir ist Kurier. Seine Fracht, die er mit dem ihn stets anweisenden Navi durch die nächtlichen Straßenkaskaden von Teheran fährt, würde ihm bei einer Polizeikontrolle die Todesstrafe einbringen. Amir geht seinem Geschäft trotzdem nach, beliefert den Kiosk auf der Ausfahrtsstraße ebenso wie die Sexarbeiter:innen unter der Autobahnbrücke. Die Wohnung teilt er mit einem Hund, dem er nach dem Essen das Maul zuhält, damit der seine Medizin herunterschluckt. Gegen Ende des Films wird Amir mit einem jungen Abhängigen im Zustand des Cold Turkey das Gleiche tun. Die Menschen in der kritischen Zone, zu der dieses wunderschöne Land in der Geiselhaft der Mullahs verkommen ist, müssen tagtäglich bittere Pillen schlucken. CRITICAL ZONE erzählt von den prekären Verhältnissen und den kleinen Momenten des Aufbäumens: Seien es Hasch-Brownies im Altersheim oder Koks-induzierte Ausbrüche durchs offene Autofenster, zwischen Jubel und Wut, ohne Hijab, wenn die Handlanger des Systems endlich abgeschüttelt wurden. Der Gewinner des Hauptpreises beim letztjährigen Locarno Filmfestival ist eine filmische Widerstandsgeste par excellence, trotz Betätigungsverbot für Regisseur Ali Ahmadzadeh mit hoher Kreativität und einem Sinn für formale Raffinessen realisiert.
| Mi 11. Sept | Luru Kino in der Spinnerei |
| 21:30 Uhr | € 7 (6 ermäßigt) |