Stephanie Comilang – LUMAPIT SA AKIN, PARAISO (COME TO ME PARADISE)
CA/HK 2016, feat. Musik von Why Be & Sky H1, 26’, OmeU
In LUMAPIT SA AKIN, PARAISO (COME TO ME PARADISE) verwendet Stephanie Comilang Hong Kong als Kulisse für die vielen Weisen wie philippinische Wanderarbeiterinnen den zentralen Stadtbezirk jeden Sonntag in Besitz nehmen. Der Film wird erzählt aus der Perspektive von Paraiso, einem Geist gespielt von einer Drohne, die von der Einsamkeit spricht, wenn man entwurzelt und an einen neuen Ort versetzt wird. Paraisos Begnadigung kommt, als sie endlich fähig ist mit den Frauen zu interagieren und ihren eigenen dabei Zweck empfindet, nämlich deren Videoblogs, Fotos und Nachrichten zuürck nach Hause zu übermitteln. Der Film ist ein Dokumentarfilm mit einem hervorragenden Soundtrack, der sich mit den enthaltenen Science-Fiction Elementen gegenseitig beeinflusst. „Science-Fiction hat [als Genre] immer diesselben Konzepte–das ist auch ein Grund, warum ich den Film machen wollte. Es geht um Menschen, die von innerhalb der Gesellschaft auf diese Außenseiter schauen, auf die Minderheiten, die sie aufgrund irgendeiner Sache ausschließen. Sie haben Angst vor ihnen. Minderheiten haben üblicherweise eine Macht, die andere nicht haben, und sie werden an die Seite oder nach draußen gedrängt. Diese Thematik lässt sich sehr gut übersetzen in die migrantische Einwander*innenerfahrung.“ (Stephanie Comilang)
Lawrence Lek – EUROPA, MON AMOUR (2016 BREXIT EDITION)
UK 2016, 14’, englische OF
Mit dem Ausstoss von Grossbritannien aus der EU ist Dalston zu einem post-apokalyptischen Utopia verkommen. Kommen und erkunden Sie diese untergegangene Welt aus der nahen Zukunft: gefüllt mit vergessenen Nachtklubs, neonbeleuchteten Musiklokalen, Wahlkabinen, türkischen Snookerclubs und Luxuspenthauswohnungen. Diese standortspezifische Simulation führt vielfache Geschichten dieser Gegend in einem einzelnen Gebiet zusammen. Während Spielende umherwandern, spricht ein Hintergrundkommentar aus Alain Resnais’ HIROSHIMA MON AMOUR zu ihnen über die Natur des Erinnerns. Ein allmählicher, jedoch unerbittlicher Sinn für das Vergessen geht stets Beinher mit jeglichen Formen von Verstädterung.
„Der Brexit wäre ein Schritt zurück ins 19. Jahrhundert, in eine Welt, in der Grossbritannien sich selbst als Supermacht betrachtet. Nur zum jetzigen Zeitpunkt wäre das ein Irrtum. EUROPA, MON AMOUR ist eine virtuelle Fantasiewelt bezogen auf ein sehr reales, jedoch beunruhigendes Szenario. Dalston fungiert als Stellvertreter des ganzen Landes, liegt begraben unter Bergen aus Sand, Luxuswohnungen liegen in Trümmern, und einzig kulturelle Wahrzeichen wie das Rio Kino und der Efes Snookerklub erinnern an das pulsierende Leben eines Grossbritanniens vor Brexit.“ (Lawrence Lek)
Mario Pfeifer – #BLACKTIVIST
USA 2015, feat. Flatbush ZOMBiES, 2-Kanal, 5’, engl. OF
Für die 2-Kanal-Arbeit #BLACKTIVIST hat Mario Pfeifer die Musiker des Rap-Kollektivs Flatbush ZOMBiES angeregt, einen Song über die aktuelle Situation der afroamerikanischen Communities in den USA zu schreiben und ihren Blick auf Rassismus, Polizeigewalt und den nahezu uneingeschränkten Zugang zu Waffen zu artikulieren. Gemeinsam haben sie einen Musikclip gedreht, der einerseits aus Found Footage-Material besteht – zum Beispiel Dash- und Bodycam-Bilder von gewaltgesättigten Begegnungen mit der Polizei – andererseits auch aus szenischen Elementen. Flankiert wird der Clip von Aufnahmen aus der ersten 3D-Druck-Waffenfabrik, die als Non-Profit-Organisation in Texas die Blaupausen der Fabrikate via Open Access allen zugänglich macht. Die Waffenwerkstatt Defense Distributed beruft sich bei der Publikation und beim damit verbundenen Unterlaufen registrierten Waffenbesitzes auf das in der Verfassung verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung und den 2. Zusatzartikel zum Recht auf Waffenbesitz. Korrigiert und erweitert wird die Arbeit zudem von Interviewausschnitten, die Pfeifer mit den Rappern Erick Arc Elliott, Meechy Darko und Zombie Juice geführt hat, in denen sie über Pazifismus und die Idee kollektiven Arbeitens sprechen.
Harald Hund – EMPIRE OF EVIL
AT 2016, feat. Stephen Mathewson, 11’, engl. OF
Ausgehend von der medialen Repräsentation des Irans stellt Harald Hund die brisante Frage nach dem Vertrauen in Bilddokumente, die Authentizität suggerieren und so Wahrheit in Aussicht stellen. Dabei assoziiert bereits der Titel – in Anlehnung an Ronald Reagans und George Bushs dichotomische Begriffe der „Evil Empire“ und der „Axis of Evil“, dass der Iran zunächst als ein Kulturraum erscheint, dessen politische Gemengelage kontinuierlich als Projektionsfläche für fremde, „westliche“ Zuschreibungen dient.
„Bereits in den Anfangssequenzen wird das Netz von dokumentarischer Evidenz und Fiktion, von Bildzeugnis und mündlichem Bericht ausgelegt, entlang dessen sich EMPIRE OF EVIL als kritische Narration entpuppt: Aufnahmen vom Flugzeuginnenraum, der Blick von oben auf eine zerklüftete, wolkenüberzogene Landschaft, der Informationsbildschirm. Dazu ist von ’secret recordings’ und ‚atomic weapons program’ die Rede, und auch ohne Namensnennung ist klar, um welches Land es sich handelt, ja handeln muss. Konsequent verschränkt Hund dokumentarische Codes und Signaturen des Investigativen mit Elementen, die sich auf der Ebene des Gesprochenen, des Voice-Over (mit amerikanischem Akzent) immer mehr ins Absurde steigern, die immer mehr Zweifel an den Bildern und ihrem Informationsgehalt aufkommen lassen.“ (Irene Müller)
Warren Neidich – THE SEARCH DRIVE
2015, 17’, eOF
Das Video nimmt die Perspektive eines anonymen Internetnutzers ein, der zufällige Entscheidungen trifft, die sich auf spekulativen Verknüpfungen von Informationen im Netz bezeihen, die behaupten, dass das Internet selbst eine innerliche Subjektivität besitze, die befragt werden könne. In THE SEARCH DRIVE „spioniert Software, die von der NSA genutzt wird, US-Amerikaner*innen und ausländischen Staatsangehörigen aus, die ihre Wohnsitze sowohl in Nordamerika als auch außer Landes haben. Sie werden von einem eigenständigen Akteur verwendet, um das Internet nach persönlicher und geheimer Information über mich selbst zu durchsuchen. Google, Facebook, Wikipedia, Instagram werden gehackt und durchwühlt. Als solcher zeichnet es im Lauf der Zeit einen autobriographischen Abriss meines Kommens und Gehens, meiner Aktivitäten und Freundschaften nach. Ich bezeichne das als Hack-ographie. […] Dass ich ein radikaler Künstler mit anarchistischen Tendenzen bin, der in Ägypten mit diversen islamischen Musiker*innen gearbeitet hat, außerdem auch mit dem politischen Aktivisten Franco Berardi, dass ich [meinem Assistenten] Ashiq Geld überwiesen habe, kreiert ein Narrativ impliziter Sippenhaft angesichts gängiger Ängste, die den Islam mit islamistischem Fundamentalismus durcheinander bringen. Eine Fiktion, die auf unbestätigten Fakten beruht wird auf diese Weise heraufbeschworen und ersetzt gegenwärtig dann jedes tatsächliche Porträt, das ich möglciherweise war oder sein könnte. Eine unbestätigte Geschichte eines fiktiven Lebens wächst zu einer Monstrosität heran, die Resultat eines Programmes ist, das verrückt spielt. Dieses Bild ist mit Mängeln behaftet und führt zu meiner unvermeidlichen Ausmerzung.“ (Warren Neidich)



















