ZUR SPRACHE KOMMEN | Die schnörkellos humanen Dokumentarfilme von Nurith Aviv



FR/IL 2018, R: Nurith Aviv, 60‘, OmeU, DCP
Sind die Einstellungen von Interviewten in Nurith Avvis Filmen so kadriert, dass wir nicht nur „Talking Heads“, sondern auch die dazugehörigen Hände der Menschen sehen, so kommt dieser Inszenierungsweise in SIGNER, ihrem Film über Gebärdensprachen, noch einmal eine besondere Bedeutung zu. Sie schließt uns nicht weniger als eine Welt auf, die Hörenden auf fast beschämende Weise verborgen bleibt. Wir erfahren davon, wie gehörlose Familien ihren Alltag bestreiten – auch, wie sich Gehörlose organisieren, damit ihre Bedürfnisse im gesellschaftlichen Zusammenleben verstanden werden. Wie stets interessiert sich Aviv für intellektuelle Zugänge zum Gegenstand – ihre Dokumentationen sind „gelehrte“, wissbegierige Filme, die sich dabei aber auch ohne Vorkenntnisse in Linguistik, Hebraistik und Translationswissenschaft anschauen lassen, die genug Sinnliches und Menschliches bereithalten, um zu berühren.
SON PORTRAIT, MON PORTRAIT



FR 2026, R: Nurith Aviv, 15‘, ohne Dialog, DCP
Während die Malerin Liliane Klapisch im Vorfilm SON PORTRAIT, MON PORTRAIT versucht, die hinter der Kamera stehende Nurith Aviv zu porträtieren, beobachtet Aviv ihrerseits den Zeichenprozess. Aus Blicken, Gesten und kleinen Unsicherheiten entsteht ein stilles Doppelporträt über Kreativität und Freund:innenschaft.
| Mo 14 September 2026 | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |
ZUR SPRACHE KOMMEN | Die schnörkellos humanen Dokumentarfilme von Nurith Aviv
VATERS LAND



FR/DE 2002, R: Nurith Aviv, 30‘, OmeU, DCP
Berlin, der Geburtsort von Nurith Avivs jüdischem Vater: In einer ungeschnittenen Fahrt mit der Ringbahn gleitet die Stadt am Zugfenster vorbei, während Freund:innen Avivs über die Leere sprechen, die die Shoah dort hinterlassen hat. Wissenschaft, Literatur und persönliche Erinnerung legen Zeug:innenschaft vom jüdischen Leben ab, das ausgelöscht, ins Exil gezwungen – und in der Nachkriegszeit bequem verdrängt wurde. Aus den Gesprächen entsteht, wie Aviv sagt, eine „intellektuelle Geschichte“ über Verlust und die Frage, ob sich Muttersprache und Vaterland jemals voneinander entzweien lassen.
D’UNE LANGUE À L’AUTRE




FR/DE/IL 2004, R: Nurith Aviv, 55‘, OmeU, DCP
Mit D’UNE LANGUE À L’AUTRE erzählt Aviv keine Geschichte des Verlusts, sondern der Bereicherung – gewissermaßen von der anderen Seite der Exilgeschichte her. Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und andere erzählen vom Übergang zwischen der Sprache ihrer Kindheit und dem Hebräischen, das für sie in der neuen Heimat Israel zur Alltagssprache wurde. In der Melange aus Hebräisch, Russisch, Arabisch, Jiddisch oder Französisch entstehen keine einfachen Identitäten, sondern Biografien des Übersetzens. Wo VATERS LAND von Abbrüchen handelte, fragt D’UNE LANGUE À L’AUTRE, wie aus Sprache, Erinnerung und Migration Neues entsteht – mit offenem Ausgang.
| So 13 September 2026 | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |