Heute | Soldate Jeannette / Ein proletarisches Wintermärchen

Tonight at GEGENkino we will put our focus on young, fresh and interesting German language cinema. See how it’s done!

We’ve got a handful of guests coming to our two screenings tonight, by the way:

»SOLDATE JEANNETTE« main actress Johanna Orsini-Rosenberg,

»A PROLETARIAN WINTER’S TALE« director Julian Radlmaier, and

film critic Dennis Vetter will be there to give introductions to the two films and hold a discussion with the audience.

Tickets are 6 or 5 (red.) euros for each screening. A combi ticket for both screenings is 8 and 6 (red.) euros. Unbeatably low prices at the Luru-Kino! See you tonight!

8pm, LuRu-cinema at the Spinnerei
Soldate Jeannette
(AUT 2013, D: Daniel Hoesl, A: Johanna Orsini-Rosenberg, Christina Reichstaler, 73’, bluray)

10pm, LuRu-cinema at the Spinnerei
Ein proletarisches Wintermärchen
(GER 2014, D: Julian Radlmaier, A: Natia Bakhtadze, Lars Rudolph, 63’, OV english subbed, bluray)

ifz | submit to v

Big thanks to all the people that came to our festival the last two days! Thanks to Luru Kino in der Spinnerei and UT Connewitz and to •• Videokills •• for their great choice of films and musicians!

GEGENkino continues tonite at Institut fuer Zukunft.

We will start at 10:30pm with some 16mm screenings of short films by Maria Lassnig, Valie Export and Mara Mattuschka, and a talk with filmmaker Julia Ostertag who will show her film »Sexjunkie«. So, be early! The music and performances will start afterwards. Check the timetable!

There’s also going to be some more films looping at various places all over the IfZ. Be surprised!

TRAKT 1
11:15pm—12am: SEXUS 3 Performance by Quimera Rosa
12am—1am: Bonnie Li
1am—2am: WE WILL FAIL
2am—4am: Kaltès
4am—END: nyt

TRAKT 2
3am—6am: AOna
6am—9am: supaKC
9am—END: n.akin

Vortrag | Girls with Guns. Radical feminist fantasies of empowerment?


Lecture von Julia Reifenberger

Girls with Guns. Radikalfeministische Ermächtigungs-fantasien?

Der so häufig beschworene Kampf der Geschlechter wird filmisch in keinem Subgenre uncodierter und gewalttätiger dargestellt als im in den 70er Jahren entworfenen und bis heute variationsreich inszenierten Rape&Revenge-Movie. Die Vergewaltigung einer Frau bildet den erzählerischen Kern. Dass die verübte Tat in Form einer kaltblütig exekutierten Rache auf den Täter zurückfällt, ist gewiss.
Ausgehend von dieser Verdichtung sexualisierter Gewalt, Gegengewalt und weiblichem Aufbegehren wird Film- und Kulturwissenschaftlerin Julia Reifenberger an aktuelle Produktionen anknüpfen als auch einen Blick auf historische Entwicklungslinien werfen. Dies wird deutlich machen, dass Rape&Revenge-Movies nicht zwingend exploitativ sind oder auf Schaulust und billigen Nervenkitzel abzielen. In Bergmans Die Jungfrauenquelle (1960) finden sich genauso Rape&Revenge-Elemente wie in Virginie Despentes’ Baise-moi (2000) und Gaspar Noés Irréversible (2002).
Anhand von Filmbeispielen wird Reifenberger nach dem feministischen Potential des Genres fragen, über geschlechterpolitische Implikationen und den Wandel der Rachefeldzüge sprechen. Oblag in den frühen Jahren die Revenge noch den männlichen Familienmitgliedern des Opfers, entwickelt sie sich später aus dessen Selbstermächtigung. Brutal aber lustvoll exekutiert es die Rache selbst. Seit einigen Jahren wird diese Rache obligatorisch als Gegenvergewaltigung erzählt, die dem Peiniger seine männliche, privilegierte Identität nimmt.


Im Anschluss

MS. 45

USA 1981, R: Abel Ferrara, D: Zoe Tamerlis Lund, Jack Thibeau, Peter Yellen, 81’, dF, 35mm

Am selben Tag wird die stumme Thana zweimal vergewaltigt. Ihr zweiter Peiniger überlebt seine Schandtat nicht. Zerkleinert landet er zunächst im Kühlschrank, danach in den Müllkörben New Yorks. Der Fund seines 45er-Colts ist der Auftakt zu einem rigorosen Aufräumen. Thana rechnet mit dem Monstrum Mann ab. Die früh verstorbene Zoe Tamerlis Lund spielt furios auf.

26. April, 20 Uhr – UT Connewitz

Podium | PussyPop. Pornography in Film and Society

Podiumsdiskussion:
PussyPop – Pornographie in Film und Gesellschaft

Mit:
Laura Méritt (Sexaktivistin, Mitbegründerin PorYes),
Sven Lewandowski (Soziologe; Autor von »Die Pornographie der Gesellschaft«)
Tatjana Turanskyj (Filmemacherin, u.a. »Eine flexible Frau« & »Top Girl«)

Moderation: Julia Lemmle

Porno – ein weit verzweigtes Phänomen, industriell umsatzstark, im Allgemeinen auf die maximale männliche Lustbefriedigung zugeschnitten, aber ästhetisch vermeintlich sehr beschränkt. Porno erfüllt jede Menge Superlative. Dass Porno ein Teil der Populärkultur werden würde, war also lediglich eine Frage der Zeit. Sein Ankommen dort eröffnet allerdings neue Fragen: Welche Bedeutung kommt ihm innerhalb der Film- und Populärkultur zu? Welche Veränderungen hat der Einfluss feministischer Pornographie in diesem Bereich bisher erzielt? Kann Pornographie auch als Modus des Aufbegehrens funktionieren und darüber hinaus politische Statements formulieren?
Unter der Moderation von Julia Lemmle werden Laura Méritt, Sven Lewandowski und Tatjana Turanskyj im Ballsaal der Schaubühne Lindenfels diese und darüber hinausgehende Fragen und Widersprüche diskutieren. Sie werden versuchen, das vielschichtige Dickicht gegenwärtiger Pornographie etwas zu lichten, um den Blick freizugeben auf eines der kontroversesten Filmgenres und Kulturphänomene und dessen Wandlung in der Wahrnehmung der Gesellschaft.
Die Diskussion findet in deutscher Sprache statt und ist eingebettet in die Videokunstausstellung all eyez on v, die im Ballsaal der Schaubühne Lindenfels installiert ist.

23. April, 19:30 Uhr – Ballsaal Schaubühne Lindenfels – Eintritt frei

Soldate Jeannette (AUT 2013, Daniel Hoesl)

Soldate Jeannette

(AUT 2013, R: Daniel Hoesl, D: Johanna Orsini-Rosenberg, Christina Reichstaler, 73’, OmeU, BluRay)

Einführung und anschließenden Filmgespräch mit Hauptdarstellerin Johanna Orsini-Rosenberg und Filmkritiker Dennis Vetter (NEGATIV, Woche der Kritik Berlin)

I prefer not to. Die Maxime des Aufstands lautet Verweigerung. Als eine still kämpfende Anarchistin auf einem inneren Feldzug, gelassen aber dennoch erfolgreich, entzieht sich die Hauptfigur Fanni allen gesellschaftlichen Erwartungshaltungen. Sie will nicht Teil der Maschinerie sein. Mehr und mehr entflieht sie ihrer eigenen Lebenswelt, bis sie auf dem Land, ihrem selbstgewähltem Rückzugsort, mit der ebenso in Zwängen verharrenden Anna Bekanntschaft macht.
Ohne auf einfache Lösungen zu setzen, porträtiert der Film zwei sehr unterschiedliche Frauen, die zwei ebenso unterschiedliche emanzipatorische Prozesse durchlaufen. Gemeinsam auf getrennten Wegen wandelnd, finden die beiden letztlich näher zueinander. Visuell pointiert konzipiert, bezieht Hoesl biografische Momente beider Schauspielerinnen mit ein, ohne dokumentarisch zu sein – auch wenn das beim Ergebnis kaum jemand glauben mag: das Drehbuch wurde nicht geschrieben, sondern improvisiert. Als Kollektiv The European Film Conspiracy funktioniert die Gruppe um Hoesl mit Minimalbudget, doch ermöglicht eine enge Komplizenschaft kompromissloses Arbeiten kombiniert mit künstlerischem Anspruch. In nur 25 Drehtagen und ohne Produktionsfirma ist aus dem Experiment Soldate Jeannette ein anstiftendes Statement geworden – sowohl vor als auch hinter der Kamera.

20. April, 20 Uhr – Luru Kino in der Spinnerei – € 6/5 (erm.)