Heute startet die Reihe PARAFIKTION Hier stellen wir euch das Werk der portugiesischen Regisseurin Salomé Lamas vor.
Salomé Lamas ist eine der derzeit interessantesten jungen Filmemacherinnen. Sie arbeitet sowohl im Kino als auch im Kontext bildender Kunst, mal mit minimalen Settings und reduzierten filmischen Operationen, dann wieder im essayistischen Modus, zwischen Dokumentation und Fiktion wechselnd, mit mehrfach neben- und übereinander gelegten Bedeutungsschichten. Um sich auf diese absichtlichen und zufälligen Durchdringungen von Fakt und Fiktion beziehen zu können, hat Lamas den Begriff „Parafiktion“ eingeführt, der sich in ihrer Praxis als spielerischer Umgang mit der Vorstellung von Geschichte und individueller Erinnerung darstellt, als Offenlegung der Konstruktionsmechanismen vermeintlich objektiver Erzählungen und als Infragestellen menschlicher Urteilskraft. Damit begeben sich die Filme ins Zentrum des Diskurses um Wahrheit und zuverlässiges Erzählen, der bei ihr interessanterweise theoretisch in ihren Publikationen parallel geführt wird.
Mehr zu lesen gibt es hier: [Parafiktion | Salomé Lamas]
| Di 16.4 UT Connewitz | PARAFIKTION Salomé Lamas |
| 19 Uhr | Kurzfilmrolle Ubi Sunt PT 2017, Dok, 30′ OmeU, DCP A Torre PT 2017, Dok, 30′ OmeU, DCP Theatrum Orbis Terrarum PT 2017, Dok, 30′ OmeU, DCP Coup de Grâce PT 2017, Dok, 30′ OmeU, DCP |
| 21 Uhr | Terra de Ninguém (No Man’s Land) PT 2012, R: Salomé Lamas, 72’, Dok, OmeU, DCP |
Trailer Reel
Heute beginnt die Bitomsky Reihe: Arbeit am Bild.
Der erste Tag der Schau widmet sich mit DEUTSCHLANDBILDER (BRD 1984) und REICHSAUTOBAHN (BRD 1986) essayistischen Archivfilm-Kompilationen. Die nationalsozialistische Ästhetik, vor allem im dokumentarischen „Kulturfilm“-Genre, wird einer Art Bild-Aufklärung unterzogen. Die Zusammenschau verdeutlicht auch, wie Bitomskys Arbeit durch filmübergreifende Überlegungen und Verweise geprägt ist. Ramón Reichert, Filmwissenschaftler und Kulturfilm-Experte, wird in einer Einführung Bitomskys Methode künstlerischer Archivmaterial-Bearbeitung nachgehen und mit anderen Ansätzen dieser Art ins Verhältnis setzen.
[Arbeit am Bild | Einblicke in das Werk von Hartmut Bitomsky]
| Mo 15.4 Luru Kino | |
| 19 Uhr | Einführung von Ramón Reichert Deutschlandbilder BRD 1982/83, R: Hartmut Bitomsky, Heiner Mühlenbrock, Dok, 60’, dOV, 35mm |
| 21 Uhr | Reichsautobahn BRD 1984-86, R: Hartmut Bitomsky, Dok, 91’, OmeU, 35mm |
Deutschlandbilder
BRD 1982/83, R: Hartmut Bitomsky, Heiner Mühlenbrock, Dok, 60′, dOV, 35mm
Es beginnt mit einer Montage aus Schwarzweißszenen, die uns allerlei sportliche Aktivitäten, formale Attraktionen und Beschwingtes aus dem Alltagsleben präsentiert. Unter ihnen auch Bilder eines Hakenkreuz-Konfettiregens und erste Uniformen; eine Flut an „Deutschlandbildern“. Anschließend stellt das Voice-Over zu einer Kamerafahrt entlang ausgebreiteter Filmfotos nüchtern fest: „Die Nazis wollten Deutschland ein Gesicht geben, das ihnen gefiel. Sie waren ausgesprochen schönheitsbedürftig. Sie schätzten Filme, die deutsche Kultur darstellten – Kulturfilme.“ Von ihnen handelt dieser essayistische Kompilationsfilm aus Archivmaterial.
Das Konstruktionsprinzip erscheint simpel: Tafeln markieren in chronologischer Reihenfolge die Entstehungszeit der kommentierten NS-Kulturfilmausschnitte von 1933 bis 1945; dazwischen sind ab und an inszenatorisch abweichende Szenen geschaltet, in denen fotografische Reproduktionen, von einem Voice-Over begleitet, durchgeblättert oder von der Kamera abgeschritten werden. Die Frage jedoch, die den Film maßgeblich anleitet, ist eine komplizierte, nicht abschließend zu klärende: Was sagen uns diese Bilder heute, wie aus der Gegenwart heraus über sie sprechen? Es hat keinen Bildersturz gegeben: Sie sind verfügbar und sollen gängigerweise beweisen, wie der Faschismus gewesen ist, doch sind sie selbst eine immense Scheinproduktion. Diese Pseudo-Realitäten verdecken mehr als sie zeigen, entlarven jedoch. Am Ende heißt es: „Ein Bild ist die Maske des anderen.“
Reichsautobahn
BRD 1984-86, R: Hartmut Bitomsky, Dok, 91′, OmeU, 35mm
Pläne für eine deutsche Autobahn hatte die Straßen- und Automobilindustrie bereits vor 1933, erst von Hitler und seinem Generalinspektor für deutsches Straßenwesen wurde sie zum propagierten Vorzeigeprojekt gemacht. Doch was sie vor allem schufen, ist ihre kalkulierte Ästhetik. Das Betrachten überstrahlte die eigentliche Funktion. Zustande kam sie unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, wurde in der Folge spärlich befahren, kann mitnichten als eine geglückte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gelten, war mit Kriegsbeginn nie eine strategische „Militärstraße“ – und doch werden die unzähligen Filme, Fotos, Gedichte, Postkarten, Gemälde und Romane, die sie begleiten, nicht müde, sie zu preisen: „Die Bücher und Bilder waren die Fassade der Autobahn. Das meiste ist Selbstlob oder Beschwichtigung. Die Autobahn ist nützlich und sie ist schön. Es wird einem bewiesen, was eigentlich doch hätte evident sein müssen. Man spürt die Last des Beweises.“
Gebetsmühlenartig wird der enthusiastische Arbeiter ins Bild gesetzt, ordnet sich der Einzelne dem großen Ganzen unter. Es wird betont, dass sich die moderne Straße im Einklang mit der idyllischen Natur befände. Eine Unmenge derartiger NS-Bildproduktionen wird hier aus den Archiven geborgen und kompiliert. Dem von Hartmut Bitomsky eingesprochenen Voice-Over ist es um ihre Entmythologisierung zu tun. Undogmatisch in der Form, lässt REICHSAUTOBAHN aber auch klassisch Zeitzeugen und Experten zu Wort kommen.
Im Netz sind keine Trailer oder Videobeiträge dazu zu finden. Aber hier bekommt man einen Vorgeschmack auf die NS-Bildästhetik an der sich Bitomsky in den heute gezeigten Werken abarbeitet.
14.04.19 | GEGENkinder: Mumins auf Komentenjagd / Long Day’s Journey into Night (CHN/F 2018, Bi Gan)
Vielen Dank an Timo und alle Menschen, die gestern möglich und besonders gemacht haben! Die Musiker, die Leute von UT Connewitz, die Koch-Crew, und alle anderen jetzt vergessen. Und: Vielen Dank an Wilhelm Hein, dass er unser Gast ist und seine berauschend Persönlichkeit teilt!
Heute ist das Programm aufgeteilt – eine Hälfte ist bei UT Connewitz um 2 Uhr – Die Mumins auf Kometenjagd (auf deutsch) – ein nachmittags-Abenteuer für Gegenkids aller Schattierungen: Bring ein paar Gegenkids mit oder sei selbst ein Gegenkid.
Am Abend um 9:30 Uhr wechseln wir auf die schöne Luru Kino in der Spinnerei, die wir mit digitaler 3 D-Technik ausgestattet haben, um die Reise des langen Tages in die Nacht in geeigneter Weise zu schätzen. Beenden wir unsere Wochenenden zusammen mit Noirish Tales, lebendigen Farben und klaren Dimensionen, die immer noch in unseren Köpfen sind, wenn wir heute Abend nach Hause fahren werden. Es ist eine Art von verträumt gegensunday.
| So 14.4 UT Connewitz | |
| 14 Uhr | Die Mumins – Auf Kometenjagd FI 2010 • R: Maria Lindberg • 75’ • deutsche Fassung • Blu-Ray |
| Luru Kino 21:30 Uhr | Long day‘s journey into night CHN/F 2018 • R: Bi Gan • D: Tang Wei, Huang Jue, Sylvia Chang, Lee Hong-Chi, 138’ • OmeU, DCP, 3D |
Trailer – Long Day’s Journey into Night


















