US/BRD/GB 1983, R: Bette Gordon, D: Sandy McLeod, Will Patton, Luis Guzman, Nan Goldin, Richard Davidson, 97′, OV, 35mm
Zu Filmbeginn berichtet Christine ihrer Freundin Nan, dass sie bei einem Vorstellungsgespräch gestern wieder einmal in ein übergriffiges Szenario geraten ist. Da sie dringend Geld braucht, gibt ihr Nan nach kurzem Zögern den Tipp, es doch mal als Kassiererin im titelgebenden Variety nahe dem Time Square zu versuchen – eins von vielen Pornokinos der Stadt. Sie findet den Job dort ziemlich okay, sitzt sie doch abgeschirmt in ihrem Kartenhäuschen herum, schnappt Eindrücke vom Publikum auf und raucht im Foyer, während Stöhngeräusche aus den Sälen schallen. Doch gerade als ihr Leben einmal stabil scheint, entfremdet sich ihr Freund zusehends von ihr, erst recht, als sie beginnt, ihrer anfangs unterschwelligen Schaulust Raum zu geben, mehr und mehr in die Porno-Welt einzutauchen und einen zwielichtigen Stammkunden zu observieren, der ihren immer enger werdenden Kosmos ins Gangstermilieu münden lässt …
Bette Gordons VARIETY ist ein Film über Einsamkeit und Begehren, der uns zu keinem Zeitpunkt einfache Psychologien und (Auf-)Lösungen anbietet. Zugleich ist es ein Film, der die Blickrichtung des klassisch amerikanischen Erzählkinos – das Blicken des Mannes und das Angeblicktwerden der Frau – konsequent umkehrt.
| Fr 9.09. | Luru Kino in der Spinnerei |
| 20 Uhr | CINEMA SPACE & DESIRE Feministisches Filmdoppel mit Einführung regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ |
FR 2021, R: Bertrand Mandico, D: Elina Löwensohn, Christophe Bier, Ekaterina Ozhiganova, 37′, OmeU, 35mm, Deutschlandpremiere
Dazu kommt mit DEAD FLASH ein dämmriger, surreal-sinnlicher Trip. Wir sehen eine Folge glamouröser Bilder: ramponierte Figuren wandern durch traumartige Landschaften, bis eine (affenartige) Modelerscheinung bei einem Fotoshooting zusammen mit ihrem:r Fotograf:in Märtyrer:in und Demiurg:in spielen. In einer Welt aus beweglichen Oberflächen versuchen sie so etwas wie Grazie zu schaffen.
| Do 8.09. | Luru Kino in der Spinnerei |
| 20 Uhr | im Anschluss zu Neptune Frost regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ |
RW/US 2021, R: Anisia Uzeyman & Saul Williams, D: Cheryl Isheja, Bertrand Ninteretse, Eliane Umuhire, Dorcy Rugamba, 105′, OmeU, Sprachen: Kinyarwanda, Kirundi, Swahili, Französisch, Englisch, DCP
In dieser afro-futuristischen Vision, einer Mischung aus Science-Fiction-Parabel, punkigem Kostüm-Musical und einer exzentrischen Romanze mit queerem Twist, führt uns das Regieduo Saul Williams und Anisia Uzeyman in den bergigen Dschungel von Ruanda, wo ein Kollektiv von Hacker:innen versucht ein autoritäres Regime zu stürzen, das Ressourcen und Menschen in den Koltan-Minen des Landes ausbeutet. Nachdem Matalusa in der Mine Zeuge von Unterdrückung und der Ermordung seines Bruders Tekno wird, flieht er. Während seines Umherdriftens begegnet er durch kosmische Kräfte einem Outlaw, dem:der Hacker:in Neptune – im Film verkörpert von zwei Schauspielenden. Damit der Aufstand gelingen kann, müssen sie ihre Kräfte bündeln.
Klingt wild? Ist es auch. Und der Film ist sich dessen bewusst und stellt es selbstbewusst aus, wenn Neptune an einer Stelle sagt: „Maybe you’re asking what the fuck this is.“ Die labyrinthische Geschichte wird zusammengehalten durch Traumstrukturen und politische Statements, dazu immer wieder kraftvolle Songs von Williams, die etwas von Manifesten haben und durch ihre unheilvollen Trommeln und trauernden Gesänge der wuchtige, emotionale Herzschlag des Films sind. Die überschwänglichen Kostüme verknüpfen lokale Mythen und High-Tech. NEPTUNE FROST will viel und ist viel, unter anderem aber ein überbordender, anti-kolonialer Ruf zu den Waffen.
| Do 8.09. | Luru Kino in der Spinnerei |
| 20 Uhr | mit Dead Flash im Anschluss regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ |
Zusammen mit FILZ (Filmische Initiative) haben wir eine Kurzfilmrolle zusammengestellt mit herausfordernden, unterhaltsamen und experimentellen Arbeiten, deren Tonspuren sich durch besondere Qualitäten auszeichnen. Das Ganze läuft am kommenden Samstag 19 Uhr im Luru Kino in der Spinnerei im Rahmen vom Seanaps. Der Eintritt ist frei.
Mit im Programm u.a. {if your bait can sing the wild one will come} LIKE SHADOWS THROUGH LEAVES von Lucie Davis, dem diesjährigen Gewinnerfilm des int. Wettbewerbs der int. Kurzfilmtage in Oberhausen.
Unten auch zu sehen: ab Ende Oktober sind wird mit der von FILZ und uns kuratieren Ausstellung paradoks inkl. einem umfangreichen Begleitprogramm zurück.















