





GB/FR/CA 2025, R: Ben Rivers, D: Moon Guo Barker, 98′, OmeU, DCP
Basierend zu Teilen auf der eigenen Kindheit, zu Teilen auf dem Klimakatastrophen-Endzeit-Theaterstück „The Word for Snow“ des US-amerikanischen Autors Don DeLillo (u.a. Cosmopolis), erzählt Ben Rivers in MARE’S NEST von Moon, einem Kind in Bewegung. Nachdem Moon ein Auto crasht, um nicht die Schildkröte auf ihrem Weg über die Straße zu überfahren, läuft sie mit dieser zu Fuß weiter. Doch ungleich Momo und Kassiopeia in Michael Endes Roman begegnen sie keinen grauen Herren und deren Kontrollmechanismen, sondern einzig und allein Kindern: streunenden, spielenden, sorglosen, seltsamen, symbolischen Wesen. Die Zeit, in der sie sind, scheint bedeutungslos; der Ort, den sie bevölkern, ein magischer Kino-Raum: staubig, grobkörnig, abwechselnd in goldenes Licht oder stimmungsvolles Schwarzweiß getaucht. Ein anarchisches Film-Poem, über zwei Jahre hinweg, episodisch gefilmt in den Schulferien an außergewöhnlichen Locations. Eine rituelle Reise durch eine Welt, die sich endlich gereinigt hat von allen Erwachsenen. „We have myth to protect us when history goes mad.”
| Di 15 September 2026 | Schaubühne Lindenfels |
| 19:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |







GE/FR/QA, R: Tamar Kalandadze & Julien Pebrel, 104‘, OmeU, DCP
„Kartli“ bezeichnet nicht nur ein mittelalterliches georgisches Königreich, sondern auch ein ehemaliges Sanatorium in Tiflis. In Folge des Georgisch-Abchasischen Kriegs (1992-1993) leben dort ca. 150 Familien, die aus Abchasien vertrieben wurden. Klinikbetrieb und die Unterbringung der Refugees liefen damals noch parallel. Was zunächst als kurzfristige Lösung gedacht war, ist bis heute Dauerzustand.
THE KARTLI KINGDOM ist beobachtendes Kino und zeigt das geteilte Schicksal der Bewohner:innen, die mittlerweile in einem zusehends zerfallenden Gebäude leben und beginnen für ihr Recht auf anständiges Wohnen mobil zu machen. In drei Jahrzehnten hat sich in Kartli ein warmherziger Mikrokosmos entwickelt, in dem gelebt und gestorben wird, Tiere gehalten werden, Alltagsrituale das Zusammenleben bestimmen. Tamuna, Irma und andere haben das bröckelnde Gebäude, das von einem Riss buchstäblich in zwei Teile gespalten wird, mit Gärten ausgestattet. Von den Terrassen aus schauen sie nachts auf die Lichter der Stadt. In einer der Wohnungen werden Grundnahrungsmittel angeboten – Brot gibt es erst in der kommenden Woche. Verschränkt werden die Aufnahmen aus der Gegenwart mit VHS-Material und Erzählungen der Älteren, die Trauma, Exil und die gemeinsame Widerstandskraft verständlich machen.
| Mo 14 September 2026 | Schaubühne Lindenfels |
| 19:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |
ZUR SPRACHE KOMMEN | Die schnörkellos humanen Dokumentarfilme von Nurith Aviv
„A given name is a gift, a choice, a message that can be questioned, interpreted, reinvented all throughout life.“ (Texttafel zu Beginn des Films)









FR 2026, R: Nurith Aviv, 82‘, OmeU, DCP
Am Anfang jeder Episode stehen Bilder einer wackligen Handykamera. Die Filmemacherin und Kamerafrau Aviv ist damit auf dem Weg zu Pariser Freundinnen und Freunden. In der rechten Hand hält sie das Handy, in der linken einen Blumenstrauß – die Farben und Formen variieren, so wie auch die vor die Kamera gesetzten Menschen ganz unterschiedlich sind. Was sie verbindet, ist das strenge, ja zunächst für manch eine:n womöglich allzu simpel erscheinende Konzept von PRÉNOMS:
Dreizehn mit Aviv befreundete Menschen sprechen in statischen Halbtotalen inmitten ihrer Wohnungen über ihre Vornamen, darüber, was es für sie bedeutet, ihn zu tragen. Auch darüber, was sie bewogen hat, ihn zu ändern und inwieweit mit diesem Namen Freude und Leid verbunden ist. Es sind kleine, entspannt inszenierte Porträts, die nicht nur persönliche Geschichten zeichnen, sondern auch so einiges über die Gegenwart Frankreichs und Europas preisgeben. Trotz düsterer Passagen, die hierbei zutage kommen: PRÉNOMS ist ein Film wie ein Blumengeschenk. Ein Freundschaftsakt, ein warmer, humaner Film.
| Di 15 September 2026 | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |
ZUR SPRACHE KOMMEN | Die schnörkellos humanen Dokumentarfilme von Nurith Aviv



FR/IL 2018, R: Nurith Aviv, 60‘, OmeU, DCP
Sind die Einstellungen von Interviewten in Nurith Avvis Filmen so kadriert, dass wir nicht nur „Talking Heads“, sondern auch die dazugehörigen Hände der Menschen sehen, so kommt dieser Inszenierungsweise in SIGNER, ihrem Film über Gebärdensprachen, noch einmal eine besondere Bedeutung zu. Sie schließt uns nicht weniger als eine Welt auf, die Hörenden auf fast beschämende Weise verborgen bleibt. Wir erfahren davon, wie gehörlose Familien ihren Alltag bestreiten – auch, wie sich Gehörlose organisieren, damit ihre Bedürfnisse im gesellschaftlichen Zusammenleben verstanden werden. Wie stets interessiert sich Aviv für intellektuelle Zugänge zum Gegenstand – ihre Dokumentationen sind „gelehrte“, wissbegierige Filme, die sich dabei aber auch ohne Vorkenntnisse in Linguistik, Hebraistik und Translationswissenschaft anschauen lassen, die genug Sinnliches und Menschliches bereithalten, um zu berühren.
SON PORTRAIT, MON PORTRAIT



FR 2026, R: Nurith Aviv, 15‘, ohne Dialog, DCP
Während die Malerin Liliane Klapisch im Vorfilm SON PORTRAIT, MON PORTRAIT versucht, die hinter der Kamera stehende Nurith Aviv zu porträtieren, beobachtet Aviv ihrerseits den Zeichenprozess. Aus Blicken, Gesten und kleinen Unsicherheiten entsteht ein stilles Doppelporträt über Kreativität und Freund:innenschaft.
| Mo 14 September 2026 | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |
ZUR SPRACHE KOMMEN | Die schnörkellos humanen Dokumentarfilme von Nurith Aviv
VATERS LAND



FR/DE 2002, R: Nurith Aviv, 30‘, OmeU, DCP
Berlin, der Geburtsort von Nurith Avivs jüdischem Vater: In einer ungeschnittenen Fahrt mit der Ringbahn gleitet die Stadt am Zugfenster vorbei, während Freund:innen Avivs über die Leere sprechen, die die Shoah dort hinterlassen hat. Wissenschaft, Literatur und persönliche Erinnerung legen Zeug:innenschaft vom jüdischen Leben ab, das ausgelöscht, ins Exil gezwungen – und in der Nachkriegszeit bequem verdrängt wurde. Aus den Gesprächen entsteht, wie Aviv sagt, eine „intellektuelle Geschichte“ über Verlust und die Frage, ob sich Muttersprache und Vaterland jemals voneinander entzweien lassen.
D’UNE LANGUE À L’AUTRE




FR/DE/IL 2004, R: Nurith Aviv, 55‘, OmeU, DCP
Mit D’UNE LANGUE À L’AUTRE erzählt Aviv keine Geschichte des Verlusts, sondern der Bereicherung – gewissermaßen von der anderen Seite der Exilgeschichte her. Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und andere erzählen vom Übergang zwischen der Sprache ihrer Kindheit und dem Hebräischen, das für sie in der neuen Heimat Israel zur Alltagssprache wurde. In der Melange aus Hebräisch, Russisch, Arabisch, Jiddisch oder Französisch entstehen keine einfachen Identitäten, sondern Biografien des Übersetzens. Wo VATERS LAND von Abbrüchen handelte, fragt D’UNE LANGUE À L’AUTRE, wie aus Sprache, Erinnerung und Migration Neues entsteht – mit offenem Ausgang.
| So 13 September 2026 | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |