Special | Film is the articulation of light









PREFILM
CZ 2016, R: Jan Kulka, 25’, kein Film, Schablonen, Filter, Flickern
PATTERNS
CZ 2022, R: Jan Kulka, 42’, 60mm
Aus Prag kommt Jan Kulka und bringt sein Archeoscope mit. Das Archeoscope ist eine analoge, handbetriebene Live-Projektionsmaschine, die von ihm konstruiert und gebaut wurde, um zu untersuchen und neu zu definieren, was es auch bedeuten kann, Filme zu erleben. Die Maschine kann alle gängigen Filmformate – 8, 16, 35, 70 mm – projizieren sowie Sonderformate und allerlei Materialien wie durchsichtige Bänder, Bandagen, Schnürsenkel, Stoffe, Verpackungsbänder, Luftpolsterfolie oder Absperrbänder.
Das Archeoscope verfügt über vier nebeneinander angebrachte, voneinander unabhängige Lichtquellen. Der Film läuft also nicht wie klassischerweise von oben nach unten durch den Projektor, sondern quer. Die vier Lichtquellen ermöglichen es, vier verschiedene Bereiche eines Bild- bzw. Folienstreifens gleichzeitig zu projizieren. Dadurch gibt es unzählige Kombinationen, Rhythmen und Polyrhythmen, in denen die vier Lampen miteinander geschaltet werden können. Die Bildfrequenz ist damit nicht mehr wie normalerweise auf ein regelmäßiges, monotones Muster festgelegt, sondern kann „musikalisch“ – in kürzere, zyklische Strukturen oder größere, lineare Intervalle – komponiert werden. Am Ende gleicht keine Projektion der anderen, so dass das, was zu sehen ist, ein im wahrsten Sinne einmaliges Erlebnis darstellt. Das Archeoscope kann die Art und Weise, wie wir über Kino nachdenken grundlegend verändern.
Jan Kulka zeigt und performt bei uns zwei seiner Arbeiten: PREFILM und PATTERNS. PREFILM arbeitet mit Licht. Heruntergebrochen auf eine elementare Ebene ist Film eine zeitliche Abfolge von hellen und dunklen Intervallen. Bei einer schnellen Taktung entsteht Flickern, ein visuelles Phänomen mit transzendentem Potenzial. Bei PREFILM wird kein Filmmaterial projiziert, sondern mit Materialien, Schablonen, Filtern – und nuanciert mit Licht gearbeitet. Damit werden spezielle Punkte der Wahrnehmungsfähigkeit gekitzelt – heraus kommt eine stimulierende Massage der Augen. PATTERNS dagegen ist ein experimenteller, handgefertigter Film, der durch ein Druckverfahren auf eine 60 mm-Filmunterlage entstanden ist. Er untersucht das filmische Potenzial von Mustern – was regelmäßige, sich wiederholende Strukturen auf Film bewirken können, wenn sie auf verschiedene Weise projiziert werden. Damit bietet er eine einzigartige Gelegenheit, die Essenz von Mustern direkt in Live-Action zu erleben. PATTERNS ist ein audiovisuelles Ringen zwischen Chaos und Ordnung, ein zum Leben erweckter Logos, eingebettet in ein intensives Lichtspektakel. Der Film ist ein immersives Spiel mit den Sinnen, bei dem das Auge fortwährend damit beschäftigt ist, alles zu erfassen, während das Gehirn parallel versucht, einen Sinn in dem allem zu finden. Aus den visuelle Kreationen, Variationen und Modulationen der Muster auf der Leinwand und anschließend im Kopf des Publikums entsteht etwas Neues, das nirgendwo sonst zu sehen ist. Die Live-Projektion dieses Films ist technisch nicht reproduzierbar, sondern nur mit bloßem Auge erlebbar. Im Anschluss an die Performance wird Jan Kulka in einer kurzen Lecture über seine Arbeit sprechen und den Zuschauer:innen die speziellen Eigenschaften des Archeoscopes zugänglich machen.
| Mi 17 Sept | UT Connewitz |
| 20:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) Live-Filmperformance und Lecture-Talk von und mit Jan Kulka |











TN/FR/BE/PO/SA/QA 2024, R: Lotfi Achour, D: Ali Helali, Yassine Samouni, Wided Dabebi, 97’, OmeU, DCP
In den abgelegenen Bergregionen Westtunesiens erleben der 13-jährige Hirte Achraf und sein Cousin Nizar die Realität eines brutalen Gewaltregimes: Beim gemeinsamen Streifzug durch die raue, weitl.ufige Felslandschaft wird Nizar von jihadistischen Milizen hinterhältig ermordet – eine wahre Begebenheit, die Regisseur Lotfi Achour mit großer Sensibilität erzählt. Als unvorstellbare Bürde muss Achraf den Kopf seines Cousins zurück ins Dorf bringen. Subjektive Kameraeinstellungen und poetische Bilder verschränken einen dokumentarischen Realismus mit der traumähnlichen Wahrnehmung Achrafs. Inmitten dieser brutaler Umstände leuchtet immer wieder die Freundschaft der Jungen auf.
Aus Perspektive eines Heranwachsenden und mit einer besonderen Zartheit verhandelt RED PATH die Gemengelage aus politischer Kontrolle und Gewalt, struktureller Benachteiligung der Region und Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft. Ein zurückhaltendes, aber politisch eindringliches Drama, das zeigt, wie sich Spuren von Hoffnung, Würde und Widerstandskraft in der verletzten Psyche eines Kindes behaupten.
| Di 16 Sept | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |
Trailer
Special | Cinema as protest – poetry as resistance
COYOTE


MX 2013, silent, 16’, DCP
DANZA SOLAR

MX 2021, silent, 4’, DCP
GUERRAS FLORIDAS

MX 2021, silent, 4’, DCP
EL NIDO DEL SOL
MX 2021, silent, 5’, DCP
SENSEMAYÁ
MX 2021, silent, 7’, DCP
TLÁLOC
MX 2015, silent, 11’, DCP
VISIÓN DE ANÁHUAC
MX 2018, silent, 1’, DCP
Das Colectivo Los Ingrávidos aus Tehuacán, Mexiko ist ein 2012 gegründeter Zusammenschluss aus Künstler:innen, die sich in ästhetischer Bezugnahme zu filmischen Avantgardebewegungen mit tief in der mexikanischen Gesellschaft verwurzelten Themen auseinandersetzen. Das Kollektiv entstand aus dem Bedürfnis heraus, einer kommerzialisierten und ideologisierten audiovisuellen Grammatik des Fernsehens und Kinos etwas entgegenzusetzen. Derart politisch aufgeladen und in bewusster Fortführung der Manifeste des brasilianischen Third Cinema-Filmemachers Glauber Rocha, „Ästhetik des Hungers“ und „Ästhetik des Traums“, ermöglichen sie neben der Artikulation von Wut und Widerstand auch Raum für Schönheit, Magie und Trance.
Sei es als digitaler, aktivistischer Kurzclip für Social Media oder als auf 16mm gedrehtes Filmpoem, präsentiert auf den großen internationalen Filmfestivals – in mittlerweile rund 300 Werken setzt sich das Kollektiv mit komplexen Phänomenen wie sozialen Protestbewegungen, Landnahme, Gewalt von Staat und Drogenkartellen, Filmgeschichte, Agitprop oder mythologischen Erzählungen auseinander. Dabei werden analoge und digitale Materialien und Ästhetiken ineinander verwoben, bearbeitet, verändert und immer wieder neu befragt. Nicht selten erhalten die Filme dadurch einen bunten, rauschhaft-delirierende Charakter.
Wir zeigen insgesamt 17 Arbeiten in zwei Programmen, zusammengestellt von der Künstlerin und Filme-macherin Daniela Zahlner und dem Kurator und Geschäftsführer des österreichischen Experimentalfilmverleihs sixpackfilm, Dietmar Schwärzler. Erstmals präsentiert bei der Viennale 2024.
| Di 15 Sept 2025 | Schaubühne Lindenfels |
| 19:00 Uhr | € 7,5 (6,5 ermäßigt) |
Special | Cinema as protest – poetry as resistance
AFTER AMÉRICA
MX 2021, engl. OV, 7’, DCP
BATALLA


MX 2019, silent, 5’, DCP
BRUSSELS

MX 2024, silent, 3’, DCP
COLONIAL TRANSFER

MX 2021, silent, 7’, DCP
COYOLXAUHQUI

MX 2016, silent, 10’, DCP
EXTRACTIVISTAS

MX 2016, OmeU, 1’, DCP
IMPRESSIONS FOR A LIGHT AND SOUND MACHINE
MX 2017, OmeU, 7’, DCP
OLYMPIA
MX 2018, silent, 7’, DCP
TRANSMISSION / MISFRAMING
MX 2014, OmeU, 5’, DCP
¿HAS VISTO?
MX 2017, silent, 7’, DCP
Das Colectivo Los Ingrávidos aus Tehuacán, Mexiko ist ein 2012 gegründeter Zusammenschluss aus Künstler:innen, die sich in ästhetischer Bezugnahme zu filmischen Avantgardebewegungen mit tief in der mexikanischen Gesellschaft verwurzelten Themen auseinandersetzen. Das Kollektiv entstand aus dem Bedürfnis heraus, einer kommerzialisierten und ideologisierten audiovisuellen Grammatik des Fernsehens und Kinos etwas entgegenzusetzen. Derart politisch aufgeladen und in bewusster Fortführung der Manifeste des brasilianischen Third Cinema-Filmemachers Glauber Rocha, „Ästhetik des Hungers“ und „Ästhetik des Traums“, ermöglichen sie neben der Artikulation von Wut und Widerstand auch Raum für Schönheit, Magie und Trance.
Sei es als digitaler, aktivistischer Kurzclip für Social Media oder als auf 16mm gedrehtes Filmpoem, präsentiert auf den großen internationalen Filmfestivals – in mittlerweile rund 300 Werken setzt sich das Kollektiv mit komplexen Phänomenen wie sozialen Protestbewegungen, Landnahme, Gewalt von Staat und Drogenkartellen, Filmgeschichte, Agitprop oder mythologischen Erzählungen auseinander. Dabei werden analoge und digitale Materialien und Ästhetiken ineinander verwoben, bearbeitet, verändert und immer wieder neu befragt. Nicht selten erhalten die Filme dadurch einen bunten, rauschhaft-delirierende Charakter.
Wir zeigen insgesamt 17 Arbeiten in zwei Programmen, zusammengestellt von der Künstlerin und Filme-macherin Daniela Zahlner und dem Kurator und Geschäftsführer des österreichischen Experimentalfilmverleihs sixpackfilm, Dietmar Schwärzler. Erstmals präsentiert bei der Viennale 2024.
| Mo 15 Sept 2025 | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | € 7,5 (6,5 ermäßigt) |
HER FIVE LIVES



UZ 2022, R: Saodat Ismailova, 13’, no dialogue, DCP
FARANGIS


TJ 2022, R: Lolisanam Ulugova, 22’, Russische OmeU, DCP
AUTONOMY
UZ 2022, R: Zumrad Mirzalieva, 7’, no dialogue, DCP
THE LATE WIND


KZ 2023, R: Shugyla Serzhan, 23’, Kazakh OmeU, DCP
MOSCOW TIME


KG 2020, R: Gulzat Egemberdieva, 12’, Kyrgyz OmeU, DCP
Über drei Jahrzehnte nach dem Zerfall der UdSSR bestehen die geopolitischen Herausforderungen für die unabhängigen und jungen Nationen Zentralasiens fort – Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan und Turkmenistan navigieren zwischen dem Westen, Russland und China durch komplexe Abhängigkeitsverhältnisse. Inmitten dieser sozio-politischen Spannungen ist der Film zu einem wichtigen Sprachrohr für eine postsowjetische Generation geworden. Insbesondere weibliche Filmschaffende zeigen dabei einen kritischen Umgang mit ihrer gesellschaftlichen Rolle, die sowohl vom sowjetischen Erbe als auch vom Islam geprägt ist.
Abgesehen von wenigen unabhängigen Initiativen wie der Tashkent Film School fehlen in der Region jedoch bis heute lokale Infrastrukturen für Filmbildung. Nur wenigen war es möglich, in Europa, den USA oder in Moskau eine Filmhochschule zu besuchen. Besonders Frauen sind für ein Studium im Ausland sowohl finanziell als auch gesellschaftlich benachteiligt, denn in den muslimisch-konservativ geprägten Ländern bleibt die Rolle der Frau aufgrund patriarchaler Strukturen der des Mannes untergeordnet. Dabei war die „weibliche Emanzipation“ einst ein zentrales politisches Instrument der Bolschewiken: 1918 verankerten sie die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Verfassung und legalisierten als erstes Land der Welt Abtreibungen. Von Männern inszeniert, wurde im sozialistisch geprägten Film die „Befreiung“ muslimischer Frauen aus Zentralasien zu einem beliebten Sujet. Doch im Gegensatz zu Schauspielerinnen gab es auch zu Sowjetzeiten nur wenige Regisseurinnen (geschweige denn welche aus Zentralasien) – ihre propagierte Emanzipation blieb letztlich auf eine passive und repräsentative Rolle vor der Kamera beschränkt.
Durch den technologischen Fortschritt und das von Filmschaffenden aus der Diaspora mitgebrachte Wissen entwickelt sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine wachsende zentralasiatische Filmszene, die bemerkenswerte weibliche Stimmen hervorgebracht hat. Dem Titel des ersten Kurzfilms entlehnt zeigen wir in HER FIVE LIVES fünf Geschichten von und über Frauen. Die wohl bekannteste Filmemacherin aus der Region ist die aus Usbekistan stammende Saodat Ismailova, die auch als Künstlerin international bekannt ist. Ihre Werke setzen sich machtkritisch und feministisch mit der Geschichte ihres Landes auseinander, so auch in dem vollständig aus Archivmaterial montierten Kurzfilm HER FIVE LIVES. Usbekische Schauspielerinnen ins Zentrum stellend interpretiert sie die Geschichte von Frauen vor dem Hintergrund wechselnder politischer Ideologien in ihrer Heimat neu.
2022 gründete Ismailova das DAVRA-Kollektiv mit weiblichen Kulturschaffenden aus Zentralasien. Zu ihnen gehört auch Zumrad Mirzalieva, die in AUTONOMY eine zentrale Frage aufwirft: Existieren neben Mutterschaft und Ehe noch andere weibliche Rollenbilder in Usbekistan? Ähnliche Herausforderungen beleuchtet Lolisanam Ulugova aus Tadschikistan in FARANGIS: Ihre Protagonistin ist eine 25-jährige Primaballerina, die sich unter zunehmendem gesellschaftlichem Druck zwischen Ehe und ihrer Tanzkarriere entscheiden muss. In THE LATE WIND erzählt die kasachische Regisseurin Shugyla Serzhan von einer Frau, deren Partner nach der Schwangerschaftsankündigung spurlos verschwindet und die damit ein gesellschaftliches Stigma erlebt. Im Hintergrund toben auf den Straßen Almatys die Proteste gegen Präsident Tokajews Energiepolitik, die Anfang 2022 von der kasachischen Regierung gewaltsam niedergeschlagen wurden. Gulzat Egemberdieva wiederum wirft in MOSCOW TIME einen einfühlsamen Blick auf ein junges Mädchen in einem kirgisischen „Geisterdorf“, das zur Sowjetzeit durch den Bergbau florierte. Ihre Mutter lebt als Arbeitsmigrantin im fernen Russland – wird sie ihr folgen, wenn sie erwachsen ist?
Das Programm wurde kuratiert von Azem Bekturova und beleuchtet fünf Stimmen einer bislang wenig beachteten Region, in der Frauen sowohl kritisch in die Vergangenheit schauen als auch essentielle Fragen zu ihrer Zukunft stellen, während die Prozesse der Identitätsfindung und -bildung in Zentralasien andauern.
| Mo 15 Sept 2025 | Schaubühne Lindenfels |
| 18:30 Uhr | € 7,5 (6,5 ermäßigt) In Anwesenheit von Gulzat Egemberdieva (Regisseurin) und Tolganay Talgat (Regisseurin, Schauspielerin in THE LATE WIND) – im Gespräch mit der Kuratorin Azem Bekturova |