We’re so excited about tonight! In cooperation with experimental electronic music vanguards Raster and Institut fuer Zukunft we compiled this special event and have a bunch of great people coming to GEGENkino today:
Portuguese collage filmmaker Pedro Maia will be there tonight to screen his work WASTELAND—on three 16mm projectors simultaneously! The screening will be accompanied by an exclusive live score by Robert Lippok (To Rococo Rot).
Robert Lippok will kick off the evening with a solo live set that will start at 9:30pm. After that, Pedro Maia will join in and project WASTELAND. The screening is followed by an audio-visual live set of his labelmate Grischa Lichtenberger and a DJ set by Mieko Suzuki that will steer you through the rest of the night. Moreover, there’ll be a little installation with video works from the Raster archives. Prepare to be surprised!
| 13. April 2018 Institut für Zukunft | LIVE SET |
| 21:00 Uhr | Robert Lippok (Live-Set) |
| 22:15 Uhr | Robert Lippok vertont WASTELAND (2015, Pedro Maia, 30’, stumm, 3x16mm) |
| im Anschluss: | Grischa Lichtenberger (live a/v set) Mieko Suzuki (dj set) |
Plus: INSTALLATION von Raster-Videoarbeiten
Raster | Maia | Suzuki | Lichtenberger
Pedro Maia: http://www.pedromaia.net
Robert Lippok: https://soundcloud.com/robert-lippok
Grischa Lichtenberger: https://soundcloud.com/grischenka
Mieko Suzuki: https://www.mixcloud.com/MIEKO
Raster: https://www.youtube.com/user/rasternoton
Seit mehr als 20 Jahren hat sich Raster (ehemals: Raster Noton) zu einem Label aufgebaut, das nicht nur für einen spezifisch ausgeprägten Techno- und Experimentalsound steht, sondern auch für eine kollektive Plattform, die immer wieder Ausgangspunkt für den Kontakt zu visuellen und bildenden Künsten sowie die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen aus verschiedenen Disziplinen ist. Auftakt des heutigen Abends bildet die Uraufführung einer Begegnung von digital und analog, bei der Robert Lippok die 16mm-Filmperformance WASTELAND des portugiesischen Künstlers Pedro Maia live und exklusiv fürs GEGENkino vertonen wird.
Der Titel bezieht sich ganz wörtlich auf die Herkunft der gezeigten Filmstreifen: sie sind scheinbar unbrauchbarer Abfall, Fehlbelichtungen, sie sind der Ausschuss eines Entwicklungslabors. In seiner Farblichkeit erinnert WASTELAND aber weniger an einen kargen Landstrich oder eine öde Brache als vielmehr an die Ergebnisse von Stan Brakhages chemischen Experimenten. Dass das Filmmaterial toxischen Prozessen ausgesetzt wurde, heißt also vor allem, dass die Bilder zur reinen Farbfläche werden. Maias drei Projektoren beleben sie, lassen die Risse und Flecken zucken, lassen Äderchen, Kratzer und Verschmutzungen wirbeln.
Nach einem zusätzlichen Live Set von Robert Lippok wird Grischa Lichtenberger seine audiovisuelle Live-Performance präsentieren. Raster Resident Mieko Suzuki beendet dann das Showcase. Während des gesamten Abends sind zudem verschiedene Raster-Videoarbeiten installiert, die stellvertretend für die enge Auseinandersetzung mit Computern und deren audiovisuellen Möglichkeiten stehen – ein konstantes Thema, das das Label und seine Programmatik stetig formt.
Woah, what a show! Thanks a lot to Tomaga, UT Connewitz and everyone involved and of course thanks to all of you for coming around!
Today we’ll continue at Luru Kino with two films that we found particularly important to show and are happy to have in our programme. At 8pm there will be the German premiere of Gürcan Keltek’s METEORLAR – a very up-to-the-minute film as it deals with the situation of Kurdish people in the southeast in Turkey. METEORLAR intermingles documentary, journalistic and fiction filmmaking, uses landscape portrayals, poetry, interviews and acting, and in doing so creates a very unique cinematic language. Don’t miss it!
At 10pm, we’ll have a screening of I AM NOT A WITCH – Rungano Nyoni’s singular, strange Zambian witch-hunt fairy tale. Here’s a quote by Nyoni from an interview for MUBI Notebook: »I wanted to make it a fairy tale because I found a really good Zambian way of saying the story, without making it about Zambia. I grew up on fairy tales. I’ve always wanted to do this, actually. In a way, I was trying to get away—perhaps as a first-time filmmaker this is a bit of a cliché—I was trying to get away from ›the arc.‹ It’s always ›the arc, arc, arc arc,‹ and I was trying to do something different. I was trying to do something that I grew up with, which is that my family used to tell me fairy tales and they were really particular. Fairy tales in general are very strange, but Zambian ones mix genres. They’re for kids, but they’re really violent, and they’re funny, and they mix magic realism. All of these things I wanted to take for my film. They are really musical. I was trying to do that.«
Make sure to be on time for both films as the seats at Luru Kino are quite limited. / Da die Plätze im Luru Kino recht begrenzt sind, empfiehlt es sich heute besonders pünktlich zu sein.
| Thu 12 April 2018 Luru Kino | |
| 8 PM | HOW TO RESIST… METEORLAR / METEORS (NL/TR 2017) D: Gürcan Keltek 98’ OV w/ English subtitles [German Premiere] |
| 10 PM | JUNG & FRISCH I AM NOT A WITCH (GB/F/D 2017) D: Rungano Nyoni 98’ OV w/ English subtitles |
Deutschlandpremiere
METEORLAR / METEORS
NL/TR 2017, Dok., Regie: Gürcan Keltek, OmeU/OV with English subtitles, 84’, DCP
Schatten, Schemen, Stein und Schnee fließen ineinander über. Eine Gruppe von Steinböcken wird aus der Ferne von Jägern fixiert. Grobkörnige, flackernde Bilder, eine Kreisblende. Wie aus den Anfängen des Kinos. Aus einer Zwischenwelt. Dann das Grauen des Krieges, Kampfjets, Explosionen, Einschusslöcher. In den Straßen: Wut und Widerstand. Schließlich folgt die Kamera ein Stück weit der Schriftstellerin und Schauspielerin Ebru Ojen Şahin, deren Zeilen das elegische Schwarz-Weiß begleiten. Ein heiliger Berg, religiöse Statuen, eine Sonnenfinsternis, Meteorschauer. Ein bemerkenswerter Film, der mit dokumentarisch und fiktionalen Fragmenten arbeitet, der abwechselnd klaustrophobisch und himmlisch bebildert, der aufgeladen ist mit Symbolik und politischer Brisanz. METEORS will das Schweigen brechen, Gegenbilder entwerfen, Zeugenschaft ablegen. In seiner poetisierten Machart verbindet er Naturmystik mit einem Aufschrei gegen staatliche Unterdrückung, die Bergregionen Südostanatoliens mit den urbanen Landschaften belagerter Ortschaften. Wie an etwas erinnern, was nicht stattgefunden haben darf?
I AM NOT A WITCH
GB/F/D 2017, Regie: Rungano Nyoni, DarstellerInnen: Margaret Mulubwa, Henri BJ. Phiri, Nancy Mulilo, 98’, OmeU/ OV with English subtitles, DCP
Dass Shula keine magischen Kräfte hat, sondern ein kaum zehn Jahre altes, auf sich allein gestelltes Kind ist, wird jedem zu Beginn unmittelbar klar. Allerdings ist sie in der Nähe, als eine Frau beim Wasserholen stürzt. Absurd! Aber Grund genug, dass Teile einer sambischen Dorfgemeinde sie der Hexerei bezichtigen. Das Urteil ist schnell gesprochen und die schweigende Shula wird in ein Witch-Camp verfrachtet und als Attraktion für Selfie schießende Westerner ausgestellt. Von den älteren Mithexen erfährt sie allerdings Schutz und Gemeinschaftssinn. Nachdem der Regierungsbeamte Mr. Banda verkündet: „You are my little witch now“, entspannt sich ein grotes-ker Parcours. Rungano Nyoni verhandelt in I AM NOT A WITCH Themen wie Misogynie und Aberglauben, aber auch die An- und Abwesenheit von weiblichem Empowerment sowie die Solidarität zwischen Unterdrückten. Erzählerisch changiert der Film zwischen schwarzhumoriger Satire, Märchen und präzise auf den Punkt gebrachter feministischer und globaler Gesellschaftskritik.
Prepare yourself for the trip!
Valentina Magaletti (Raime, UUUU, Shit&Shine) and Tom Relleen (The Osciallation) aka. the psych-dub duo TOMAGA will hit the stage at UT Connewitz tonight, 9pm, to perform their live score to Kenneth Anger’s occult classic LUCIFER RISING – and, especially for GEGENkino 2018, they also developed a score to the EARLY ABSTRACTIONS of Anger’s fellow abstractionist filmmaker Harry Smith, which they will lay down tonight as well! Moreover, the evening will be opened by the maze-like MESHES OF THE AFTERNOON by Maya Deren and Alexander Hammid.
All films tonight will be shown on glorious 16mm! (Thanks to Arsenal for the copies and thanks already to tonight’s projectionist Dennis Vetter.)
| Mi 11. April 2018 UT Connewitz | LIVE SCORE |
| 21 Uhr | Vorfilm MESHES OF THE AFTERNOON (USA 1943) R: Maya Deren & Alexander Hammid 14’ |
| TOMAGA (UK) add live scores to: LUCIFER RISING (USA/UK 1970-80) R: Kenneth Anger 28’ & EARLY ABSTRACTIONS (USA 1939-56) R: Harry Smith 23’ |
Tomaga (UK) vertonen LUCIFER RISING & EARLY ABSTRACTIONS
USA/UK 1970-80 R: Kenneth Anger, 28’, 16mm
D: Kenneth Anger, Marianne Faithful, Bobby Beausoleil
USA 1939-56 R: Harry Smith, 23’, 16mm
Als subversive Hohepriester des New Age-Cinemas und als glühende Verehrer des Okkultisten und selbst ernannten Antichristen Aleister Crowley nehmen Kenneth Anger und Harry Smith mit je eigenen Ästhetiken Esoterik, archaische Symbole und kaum dekodierbare Mythologien in den Blick. Thematisch bezieht sich Anger auf die charismatische Figur des Luzifer, den strahlendsten Engel im Himmel, der nach einem Aufstand gegen Gott verbannt und forthin zu einem Rebellen gegen die etablierte Ordnung avanciert. In Bildern von Schöpfung und Zerstörung, von Göttern und Naturgewalten verwebt Anger den christlichen Mythos mit historischen, popkulturellen und persönlichen Strängen. In Smiths teilweise handgemalten Animationen wuchern scheinbar unkontrolliert Farben und Formen: einerseits körnige, grobe Strukturen und Mikroorganismen, andererseits modernistisch anmutende Designelemente sowie Splitter kurzer Erzählungen. Mit Bass, Synthesizern (Tom Relleen) und Schlagwerk (Valentina Magaletti) wird Tomaga die beiden Klassiker des Experimentalfilms live mit einem Soundtrack versehen. Das Londoner Duo kanalisiert Multiinstrumentalismen in lose Strukturen, die Industrial, Psychedelia, Jazz und Minimalismus durchlaufen. Der musikalischen Erkundung verpflichtet lösen sie bekannte Tropen zugunsten neuer Gestaltung auf, erzeugen Spannungen zwischen Improvisation und Form. Das Ergebnis ist mal zurückhaltende Geräuschmusik, mal manisch tanzbar.
Vorfilm
MESHES OF THE AFTERNOON
USA 1943 R: Maya Deren & Alexander Hammid, D: Maya Deren & Alexander Hammid, 14’, 16mm
Ausgehend vom Tatsächlichen bewegt sich MESHES OF THE AFTERNOON Schritt für Schritt in Richtung eines unplausiblen Universums. Die Hand der Protagonistin platziert erst eine Blume, dann entschwindet der Film mit ihr in eine verzerrte Traumwelt, in der sich Doppelgängerinnen begegnen, Kapuzengestalten aus Spiegelgesichtern blicken und Ordnungen auseinanderfallen. Die Zeit bewegt sich vor- und rückwärts, spart aus, beschleunigt. Am Ende blitzt ein Messer, ein Spiegel bricht und die Wellen des Atlantiks spülen die Scherben ins Meer.
Hey peeps! Today marks the start of our “HOW TO RESIST ON SCREEN” programme section, in which we’ll deal with cinema and film as resistant media, as vehicles of protest and of political engagement.
We’ll start off at 8pm at UT Connewitz with an almost forgotten classic of “protest cinema”: Haskell Wexler’s 1969 film MEDIUM COOL, which shows and comments on several street protests in Chicago in 1968 and in doing so interrogates the medium of film camera and its role in processes of political transformation. We’re very happy to have film curator, historician and journalist Ralph Eue coming to the screening to introduce the film.
At 10pm we’ll see a film that raises quite similar issues as MEDIUM COOL did, but on a more personal level: Kirsten Johnson’s CAMERAPERSON is an arrangement of material Johnson collected during her work as a camera person for Laura Poitras, Michael Moore, Kirby Dick and others becoming an essay on the relations between subject, camera and object.
| Do 10. April 2018 UT Connewitz | HOW TO RESIST… |
| 20 Uhr | MEDIUM COOL (USA 1969) R: Haskell Wexler 111’ English OV |
| 22 Uhr | CAMERAPERSON (USA 2016) R: Kirsten Johnson 103’ OV mit englischen Untertiteln |
Einführung von Ralph Eue
MEDIUM COOL
USA 1969, 111’, OmeU, DCP, Director: Haskell Wexler
with: Robert Forster, Verna Bloom, Peter Bonerz
In Chicago wird 1968 nicht nur gegen den Vietnamkrieg demonstriert, sondern auch gegen sexuelle Diskriminierung und Rassenhass. Während des Wahlkonvents der Demokraten versucht die Polizei diese Proteste mit äußerster Härte zu unterbinden. “The whole world is watching” rufen die Demonstranten, als sie sich der Macht der anwesenden Kameras bewusst werden. Die politischen Unruhen sind der Hintergrund für das Regiedebüt des bis dahin als Kameramann arbeitenden Haskell Wexler, in dem er Fact und Fiction auf bis dahin noch nicht gekannte Weise miteinander verwebt – und zwar die Geschichte rund um den Fernsehkameramann John Cassellis und die gewaltsamen Ereignisse auf der Straße. Neben der medienpolitischen Frage nach der Wirkmacht der Kamera zu einem Zeitpunkt, als die Handylinse noch keine (unsichere) Möglichkeit bot, seine Rechte gegenüber staatlicher Gewalt zu schützen, verhandelt MEDIUM COOL auch berufsethische Fragen des Bilderherstellens: Anfänglich liefert John seinem Sender reißerische Aufnahmen von Unfällen, Katastrophen und den Ausschreitungen während der Demonstrationen. Als er erfährt, dass die Senderbosse dem FBI Material zuspielen, um Dissidenten ausfindig zu machen, gerät er an seine moralischen Grenzen.
Einführung: Ralph Eue arbeitet als Filmkurator, u.a. bei DOK Leipzig, Publizist, Filmhistoriker und Fernsehjournalist.
Hier ist ein interessantes Interview mit Waxler für das VICE Magazin über diesen Film:
CAMERAPERSON
USA 2016, 103’, Dok, OmeU, DCP
Regie: Kirsten Johnson
Danach, was es heißt, jemanden zu filmen, was dabei mit den Menschen vor und hinter der Kamera passiert, fragt auch Kirsten Johnson. Sie reist seit 25 Jahren als “Cameraperson” durch die Welt und dreht unter schwierigsten Bedingungen für renommierte DokumentarfilmemacherInnen wie Laura Poitras, Michael Moore und Kirby Dick. In ihren filmischen Memoiren blickt sie nun auf diverse Projekte zurück und schildert persönliche Erfahrungen. Eine nigerianische Hebamme versorgt ein Neugeborenes mit Sauerstoff, ein afghanisches Mädchen marschiert entschlossen zu seiner Schule in Kabul, eine junge Frau aus Alabama im Gespräch während einer Abtreibungsberatung. Diese und andere Szenen werden collageartig montiert – zumeist aus dem Rohmaterial bedeutender Dokumentarfilme der letzten beiden Jahrzehnte, zu denen Johnson die Bilder lieferte, darunter CITIZENFOUR (2014), THE OATH (2010) – über zwei Schwäger aus dem engen Umfeld Osama bin Ladens – und PRAY THE DEVIL BACK TO HELL (2007), in dem die Aktionen einer feministischen Friedensbewegung in Liberia geschildert werden. Im Zentrum von Johnsons Betrachtung steht dann immer wieder die Beziehung zwischen BildermacherInnen und ihren Subjekten und der Zusammenhang zwischen vorgefundener Realität und gestalteter Erzählung.
Hope you all enjoyed our homage to the Harvard Sensory Ethnography Lab! Today we’ll head over to UT Connewitz again and continue with two début feature films that impressed us very much, when we stumbled upon it back then:
At 8pm there’ll be the Leipzig premiere of teenage drama SARAH JOUE UN LOUP-GAROU and we’re happy to have director Katharina Wyss coming to the screening to present her film and offer a Q&A.
And at 10pm we’ll show TESNOTA by Alexander Sokurov’s student Kantemir Balagov about a Jewish-Russian community during the dawn of the Second Chechen War. Unfortunately, Balagov can’t make it to the screening today, but still it’s very much worth it to come and watch. Read more about the films below.
| Mo 09. April 2018 UT Connewitz | |
| 20 Uhr | Sarah Joue Un Loup-Garou (D/CH 2017) R: Katharina Wyss 86’ OV mit englischen Untertiteln |
| 22 Uhr | Tesnota / Closeness (RUS 2017) R: Kantemir Balagov 118’ OV mit englischen Untertiteln |
In Anwesenheit von Katharina Wyss
SARAH JOUE UN LOUP-GAROU
CH, D 2017, 86’, OmeU, DCP, Regie: Katharina Wyss, mit: Loane Balthasar, Michel Voïta, Manuela Biedermann
Mit dem Ende der Pubertät ist es eigentlich schon vorbei und alles ist entschieden: Die intensivsten Erfahrungen sind gemacht und das Leben jetzt ist nur obligatorisches Nachspiel und Abspann. Der Entdeckung des eigenen Willens folgt ein sich Sich-Abfinden mit den Bahnen, in die das Leben – zufällig oder gewollt – geronnen ist. Beziehungen zu anderen Menschen bilden und erhalten sich nur noch gemäß schon bekannter Strukturen. Zwar stellt die Kunst in diesem Leben noch einen Ort für höhere Gefühle und Erlebnisse dar, aber bleibt vom eigenen Leben, wie man sich eingestehen muss, immer entkoppelt. – Ein solches Endzeit-Szenario zeichnet Katharina Wyss in ihrem Début-Spielfilm SARAH JOUE UN LOUP-GAROU (englischer Titel: “Sarah plays a Werwolf”). Wyss’ Film ist eine Sonde in das Leben einer siebzehnjährigen Schülerin in einer Schweizer Kleinstadt. In Nahaufnahmen wie auch Distanzaufnahmen erkundet sie die sich gegenseitig potenzierenden Entfremdungs- und Fremdwerdungsprozesse der Theater-Elevin Sarah (Loane Balthasar) – den zunehmenden Abstand zu ihren Eltern und Geschwistern, die Diffusität sexueller Regungen, ihren jugendlichen Solipsismus. Während Sarah nach ihren eigenen Begehren sucht, entfernt sie sich zu fast allem anderen außer ihr. Doch in einigen Bildern scheinen dann auch Auswege auf aus den Verstrickungen und der Unaufhaltsamkeit des Heranwachsens und Sarah scheint grade dort Wege zu finden mit diesen Prozessen umzugehen, wo sie nicht mehr Sarah sein muss. Ein GEGEN-coming-of-age-Film.
Im Anschluss wird es ein Gespräch mit der Regisseurin des Films, Katharina Wyss, geben.
TESNOTA / CLOSENESS
RU 2017, 118’, OmeU, DCP, Regie. Kantemir Balagov, mit: Darya Zhovner, Olga Dragunova, Artem Tsypin, Nazir Zhukov
1998, Naltschik im Nordkaukasus. Die burschikose 24-jährige Ilana hilft in der Autowerkstatt ihres Vaters aus. Sie verweigert die Rolle der guten Tochter, wie sie sich ihre Eltern wünschen. Ihren Status als Außenseiterin untermauert zusätzlich, dass sie einen kabardischen Freund hat, der nicht Teil der jüdischen Community ist, in der sich ihre Familie bewegt. Kurz nach der Hochzeit ihres Bruders wird das junge Brautpaar entführt. Zu dieser Zeit dort kein Einzelfall laut der Aussage des Regisseurs Balakov. Er ist in Naltschik aufgewachsen, hat dann bei Aleksandr Sokurov studiert, der diesen beeindruckenden Debütfilm auch mitproduziert hat. Das Drehbuch basiert auf eigenen Erfahrungen und zusammengetragenen Geschichten aus der Region. TESNOTA (engl. Titel: Closeness) untersucht Gemeinschafts- und Familiendynamiken, legt in seiner physischen Erzählweise Wunden offen, alles immer in wundervollen blau und gelb leuchtenden Bildern. Der stilisierte Realismus des Film, in dem gleich außerhalb des aktuellen Frames immer schon die nächste Thematik wartet, wird kontinuierlich weiter getrieben von der Frage: wieviel sind Menschen bereit sich aufzuopfern, um ihnen nahestehende Personen zu retten?



























