Van Wissems Instrument ist gleichzeitig altertümlich wie ungewöhnlich: die 24-saitige Laute. Sein minimalistisches Spiel des barocken Geräts gründet auf repetitiven Kompositionstechniken und zyklischen Melodien, Überlagerungen und Verfremdungen. Das Resultat wirkt merkwürdig aus der Zeit gefallen, zwischen den Genres pendelnd: nicht Barock und nicht Industrial, weder Neue Musik noch Improvisation. Und doch alles zusammen. Enorm deep!
L’Âge d’Or (F 1930, D: Luis Buñuel, 63’, french OV, 35mm)
Als Deutschland-Premiere begleitet van Wissem „L’Âge d’Or“, eine explosive Aneinanderreihung revoltierender Bilder. Buñuels surreale Entgleisungen werden zusammengehalten von einer „amour fou“, der Geschichte einer vom Bürgertum zum Scheitern gebrachten Liebe. Alles kulminiert in einem mit den Skalpen ermordeter Mädchen geschmücktem Kruzifix –Jesus als Initiator sadistischer Orgien.
„Es war ein richtiger Aufruhr mit Bomben, Polizei, Faustkämpfen. […] Ich saß auf dem Balkon in der Loge, neben mir saß ein älterer Herr. Es war gerade etwas Antikirchliches oder Antiroyalistisches auf der Leinwand; jemand hatte eine Bombe gegen die Leinwand geworfen. Der alte Mann neben mir sprang auf und schlug mir eins über den Kopf! Ich weiß nicht warum! Es gab eine richtige Saalschlacht. Dann versuchten sie, in den Vorführraum zu stürmen, um an den Film heranzukommen, aber der war geschlossen, und die Eisentür konnten sie nicht aufbrechen. So zerstörten sie das Foyer. Es war wirklich eine Schande. […] Am Eingang hingen eine Reihe von Bildern von Picasso, Man Ray und Picabia, die einfach in Stücke gerissen wurden. Die Polizei brauchte eine Stunde, um den Platz von den Störern zu befreien.“ (Hans Richter über die Uraufführung von „L’Âge d’Or“)
Wichtig! Es wird voraussichtlich nur noch wenige restkarten an der Abendkasse geben. Besorgt euch also frühzeitig Tickets an einer der beiden Vorverkaufsstellen. Festivalpassinhaber sollten eine halbe Stunde vor Beginn am Luru-Kino sein um sich ihre Freikarte zu sichern. Danach besteht kein Platzanspruch mehr. Da das Luru-Kino nurüber wenige Plätze verfügt, müssen wir, um es für alle fair zu gestalten, derart handhaben
11. April, 21 Uhr LuRu-Kino in der Spinnerei
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Faschismus und Sexualität in Film und Popkultur. Lecture von Marcus Stiglegger
danach: Salon Kitty (IT 1976, R: Tinto Brass, D: Helmut Berger, Ingrid Thulin, Teresa Ann Savoy, 102’, dF, 35mm)
13. April, 20 Uhr – UT Connewitz
04. April, 22 Uhr (Filmvorführung, 16mm/digital) / danach Party UT Connewitz
In den achtziger Jahren schließen sich im New Yorker East Village Künstler/innen zusammen, die radikal aufbegehren: gegen den guten Geschmack, gegen den saturierten Kunstbetrieb, GEGEN ein Avantgardekino, das es sich bequem gemacht hat. Die filmischen Ergebnisse dieses Protests dominieren Sex, Blut, offene Wunden, entstellte Körper, sinnlose Gewalt, Blasphemie und Leichenschändung, aber auch humoristische Angriffe auf das bürgerliche Wohlbefinden. Wir zeigen eine Auswahl an maßgebenden Cinema of Transgression-Kurzfilmen sowie Verstöße und Überschreitungen aus früheren Phasen des amerikanischen Experimentalfilms.
22 UHR: SCREENINGS / digital & 16 mm
Fireworks (1948 R: Kenneth Anger, 14’)
The Yellow Sequence (1963-65 R: Jack Smith, 15’)
Hot Air Specialist (1970 R: Jack Smith, 7’)
Stray Dogs (1985 R: Richard Kern, 10’)
Submit to me (1986 R: Richard Kern, 10’)
x is y (1990 R: Richard Kern, 3’)
War is Menstual Envy (excerpt) (1992 R: Nick Zedd, 13’)
Thrust in me (1985 R: Nick Zedd/Richard Kern, 8’)
DANACH: PARTY
NO NO NO! / for bouys and gerhls and criminal queers
Indietronics / Gitarre / Elektro-Pop / Queercore
Claire / Conne Island, Leipzig
Zacker, NO NO NO!
Timo / Barbie Deinhoff‘s, Berlin
Langsam wird’s ernst..GEGENkino ist glücklich den ersten Programmpunkt bekannt geben zu können:
Podiumsdiskussion
Wie sieht das Kino nach dem Kino aus?
05. April, 19 Uhr – Schaubühne Lindenfels (Ballsaal) – Eintritt frei
Es diskutieren:
Lars Henrik Gass [Autor / Leiter Internationale Kurzfilmtage Oberhausen]
Clemens von Wedemeyer [Filmemacher / Professor für Medienkunst (Expanded Cinema) an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig]
Stefanie Schulte Strathaus [Kuratorin / Künstlerische Leitung Arsenal – Institut für Film und Videokunst Berlin]
Torsten Frehse [Filmverleiher / Geschäftsführer Neue Visionen Filmverleih Berlin]
Moderation: Luc-Carolin Ziemann [freie Kuratorin / DOK Leipzig, GfZK Leipzig]
Die Diskussion thematisiert Selbstverständnis, Existenzbedingungen und Alleinstellungsmerkmale des Kinos. Dabei wird über Kino als Ort und auch als kulturelle Praxis gesprochen. Die allgegenwärtige Möglichkeit digitaler Reproduktion bietet vielerorts – in Ausstellungen, im Internet oder auf DVDs – einen vereinfachten Zugriff auf Bilder. Kann sie darüber hinaus auch das Originäre des Filmerlebnisses, diese einzigartige Wahrnehmungsform, die sich von den klassischen Künsten unterscheidet, reproduzieren? Wie verhält es sich mit dem Film? Wird er automatisch zur Kunst, wenn er den Kinosaal verlässt? Ist er das vorher nicht auch schon?
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