EXTINÇÃO / EXTINCTION (PT/D 2018, Salomé Lamas)

PT/D 2018, R: Salomé Lamas, 80′, OmeU, DCP

Die Konflikte um nationalstaatliche Souveränitäten von post-Sowjetrepubliken haben sich in den vergangenen Jahren als gewaltgesättigt und kaum zu schlichten herausgestellt. Entstanden während der Annexion der Krim durch Russland, verhandelt EXTINCTION diese geopolitischen Lagen ausgehend vom nicht De-facto-Regime Transnistrien genauso wie deren unmittelbaren Effekte, die in individuelle Erfahrungsräume und Biografien hineinreichen und fluide nationale Identitäten hervorbringen.

Im Zentrum des Films steht der junge Kolya, dessen Solidarität voll und ganz Transnistrien gilt, das sich Anfang der 1990er Jahre von der Republik Moldau unabhängig machte, das allerdings – von der internationalen Staatengemeinschaft unbeachtet – offiziell nicht anerkannt wird und dessen Einwohner*innen mittlerweile große Russland-Sympathien hegen. In schwarz-weiß Bildern und mit einem freien, traumähnlichen Erzählmodus begleitet der Film Kolya zu Sowjetarchitekturen – steingewordene Utopien, die heute nicht mehr an gesellschaftlichen Fortschritt mahnen, sondern nur noch an das Vergehen der Zeit erinnern. Begegnungen mit rumänischen, ukrainischen und moldavischen Grenzsoldaten erzeugen einen surreale Atmosphäre, die durch die Tonspur zusätzlich intensiviert wird: beunruhigende Avantgarde-Orchestrierungen wechseln mit düsterem Drone-Sound. Dazu immer wieder Worte und Gedanken, die alle nationalstaatlichen Konstrukte transzendieren.

21. April, 20 Uhr – Schaubühne Lindenfels – € 6,5 (5,5 erm.)

[Parafiktion | Salomé Lamas]


Ausschnitt

Eldorado XXI (PT/F 2016, Salomé Lamas)

PT/F 2016, R: Salomé Lamas, 125′, Dok, OmeU, DCP

Kein Goldrausch, nicht die Aussicht auf schnellen Reichtum, sondern die Hoffnung darauf, das Elend etwas zu mildern, treibt die Leute ins Minenrevier La Rinconada, die höchstgelegene Siedlung der Welt. In den peruanischen Anden auf 5000 Metern Höhe knechten Arbeiter*innen unter vorindustriellen Produktionsbedingungen mit ihren schlichten Werkzeugen – über Tage der widrigen Witterung ausgesetzt, unter Tage begleitet von der Angst, bei einem Grubeneinsturz von Erdmassen begraben zu werden. Allein der Koka-Rausch hält die Wirklichkeit auf Abstand.

Die Unerbittlichkeit der Verhältnisse übersetzt Lamas in eine fast einstündige Eröffnungssequenz, deren Perspektive statische ist und die dennoch von viel Bewegung durchzogen ist. Wie in einem Wimmelbild erklimmen hunderte, unkenntliche Mineros einen Berghang, dessen ihn umgebende Dunkelheit nur durch den Schein ihrer Helmlampen erhellt wird. Unterlegt ist die Monotonie des Malstroms mit Berichten von Arbeiterinnen, mit Ausschnitten, Jingles und Unfallberichten aus dem Minenradio. Auf dieses Stück rigorosen Dokumentarismus folgen in ihrer Kargheit expressive Bilder von tristen Abraumhalden, von Gewerkschafterinnen, die sich im Schneetreiben treiben treffen, bis sich die Dorfgemeinschaft schließlich bei einem bunten und lärmenden Fest zusammenfindet.

20. April, 22 Uhr – Schaubühne Lindenfels – € 6,5 (5,5 erm.)

[Parafiktion | Salomé Lamas]


Ausschnitt

Heimat ist ein Raum aus Zeit (GER 2019, Thomas Heise)

GER/AUT 2019, Regie: Thomas Heise, Bildgestaltung: Stefan Neuberger, Montage: Chris Wright, GMFilms, DCP, Originalversion (deutsch), 218′

In einem langen Briefwechsel zwischen Berlin und Wien kündigt sich schleichend die kommende Deportation an. Auf der Bildebene die akribischen Deportationslisten der NS-Bürokratie. Als die Korrespondenz verstummt, erklingt Marika Rökks grotesker NS-Schlager „Mach dir nichts daraus“. HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT ist eine Collage aus Hinterlassenschaften der Intellektuellen-Familie des Filmemachers Thomas Heise. Eine Komposition von Textdokumenten, Filmaufzeichnungen und Fotos von vier Generationen. Erzählt wird von Liebe, Verbundenheit, Selbstbehauptung und politischen Idealen – vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, das geteilte Deutschland bis hin in die Gegenwart geht die Reise, die vor unseren Augen – und vor allem Ohren – in Form von Briefwechseln und Tagebuchnotizen abfährt. Zu sehen sind Archivmaterial und Gegenwartsaufnahmen. Dann gleitet die Kamera in schwarzweissen Bildern durch verlassene Orte und von der Zeit charakterlich verfremdete Räume. Die Heimat ist hierbei kein bloß romantischer Ort, sondern der Gegenstand, an dem sich die inneren und äußeren Kämpfe der Beteiligten entfachen – Individualgeschichte lässt sich nicht von Gemeinschaft trennen. Der Film will keine Geschichten nacherzählen. Stattdessen erfährt der Zuschauer, wie Biographien entstehen.

In Anwesenheit von Thomas Heise

22. April, 16 Uhr – Schaubühne Lindenfels – € 8 (7 erm.)


Ausschnitt

https://www.youtube.com/watch?v=B3TRr3Ooo0U

GEGENkino #6 | 11. – 22. 4.

Das GEGENkino-Team meldet sich zurück!

Die 6. Ausgabe des GEGENkino Festivals findet vom 11. bis zum 22. April in Leipzig statt. Spielstätten sind auch dieses Mal die Schaubühne Lindenfels, das UT Connewitz und das Luru-Kino in der Spinnerei.

Es erwartet euch ein vielseitiges Programm mit zahlreichen Leipzig-Premieren, Gästen, Einführungen, Vorträgen, Q&As und und und… Inhaltlich gehen wir noch nicht ins Detail, aber verraten können wir schon einmal folgendes:
Der Ballsaal der Schaubühne Lindenfels wird wieder zum AUSSTELLUNGSRAUM.
Es gibt neben der alljährlichen HOMMAGE zusätzlich sogar noch eine RETROSPEKTIVE.
Des Weiteren: PERFORMANCES, FILM LECTURES, eine PODIUMSDISKUSSION und natürlich die LIVE-VERTONUNG im UT-Connewitz.

Spread the Word!
Wir sehen uns im April…

GEGENkino präsentiert | Anna Biller’s “The Love Witch” & “Viva” 35mm

Liebe GEGENkino / LURU-Freundinnen und Freunde!
Wir haben euch ein schönes Festival-Vorab-Event gebastelt: Die zwei bisherigen Langfilme der amerikanischen Experimental-Genrefilmerin Anna Biller touren gerade mit 35mm-Kopien (OV) durch ambitionierte deutsche Spielstätten und machen nun kurz vor Schluss noch bei uns in Leipzig Halt. Eine sozusagen einmalige Chance, diese feministischen, ironischen Beiträge zur Ästhetik des Horror- und Melodram-Genres im intendierten analogen Kinoformat zu sehen!

01 NOV 2018
Luru-Kino
GEGENkino präsentiert
19 UhrVIVA
USA 2007. R: Anna Biller, D: Anna Biller. Jared Sanford, Bridget Brno. 120 Min. 35mm. OV
21 UhrThe Love Witch
USA 2016. R: Anna Biller, D: Samantha Robinson, Gian Keys, Laura Waddell. 120 Min. 35mm. OV

The Love Witch

USA 2016. R: Anna Biller, D: Samantha Robinson, Gian Keys, Laura Waddell. 120 Min. 35mm. OV

Elaine hat kein Glück mit den Männern, aber behilft sich mit magischen Ritualen. Doch falsch dosierte Zaubertränke führen zu allerlei Verwicklungen. Eine Liebeshexe, die auf der Suche nach dem Mann fürs Leben eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Billers farbenprächtige Horrorkomödie mit Ennio-Morricone-Musik ist eine moderne Genre-Neuinterpretation aus weiblicher Sicht und schwelgt entgegen allen Trends in liebevoll-handgemachtem Produktionsdesign und analogem 35mm-Filmmaterial (via: Deutsches Filminstitut)


Viva

USA 2007. R: Anna Biller, D: Anna Biller. Jared Sanford, Bridget Brno. 120 Min. 35mm. OV

Barbi führt in den wilden Siebzigern ein wenig befriedigendes Hausfrauenleben. Als nebenan ein sexuell freizügiges Paar einzieht, freundet sie sich zum Unmut ihres Mannes mit den beiden an und entdeckt sich neu. In ihrem ersten Langfilm schlüpft Anna Biller selbst in die Hauptrolle. Eine detailverliebte Hommage an die erotischen Kino- und Magazin-Welten der 1970er, kombiniert mit einem heutigen Blick auf die sexuelle Revolution. (via: Deutsches Filminstitut)