Special | MILIEU-KINO

US 80s, 82’, OmU, 35mm
Am 11.09. zeigen wir einen bahnbrechenden Film, der authentisch die Hip Hop-Subkultur darstellt. Regisseur Charlie Ahearn beleuchtet die vier Hauptsäulen des Hip Hop: Graffiti, Breakdance, DJing und Rap. Die Geschichte folgt Zorn, einem talentierten Graffiti-Künstler, der versucht, sich mit seiner Kunst in einer oft ablehnenden Gesellschaft zu behaupten. Er trifft auf andere Künstler:innen und Musiker:innen wie Fab 5 Freddy, Grandmaster Flash, The Cold Crush Brothers und Lady Pink. Der Film bietet eine visuelle und musikalische Reise voll mit ikonischen Momenten, dynamischen Breakdance-Battles und mitreißenden Live-Performances. Mit einer Mischung aus Nostalgie der frühen 80er Jahre und sozial-anthropolgischen Anklängen kristallisiert der Film den Optimismus und die Lebendigkeit der frühen New Yorker Hip Hop-Szene heraus und zeigt, dass die damalige Darstellung der Bronx in Film und Fernsehen als wildes und unwirtliches Höllenloch vielleicht nicht ganz korrekt war. Dieser Film ist ein kulturelles Dokument, das nachhaltigen Einfluss auf die Popkultur ausgeübt hat und als Pionierwerk gilt, das Hip Hop weltweit bekannt machte.
| So 11 Sept | Milieu Kino im Rabet Park |
| 16:00 Uhr | € Auf Spendenbasis |
Special | MILIEU-KINO

















Wir freuen uns in diesem Jahr mit dem Milieu Kino aus Wien erneut eine mobile Spielstätte präsentieren zu können. Vom 11. bis 13.09. präsentieren wir im Stadtteilpark Rabet ein Programm für Kinder und Erwachsene. Dort könnt ihr Euch komplett dem Charme dieser einzigartigen Spielstätte hingeben. Das Milieu Kino ist ein Projekt von Max Kauffmann, der es konzipiert und in jahrelanger Arbeit fertiggestellt hat. Der kleine Saal befindet sich in einem eigens dafür umgebauten LKW. Mit nur einem Handgriff wird die Rückseite der Ladefläche zu einem Foyer mit Kasse und Bar. Mit der Neon-Leuchtschrift, den Plakatschaukästen und den 15 gepolsterten Klappsesseln im Inneren fehlt es diesem modernen Wanderkino an nichts, was man sich von einem traditionellen Kino erwartet – es gibt sogar einen 35mm-Projektor, den wir natürlich auch nutzen werden.
Lose anknüpfend an unsere Reihe BAD GIRLS GO TO HEAVEN, in der wir weibliche Aneignungen des US-Exploitation-Kinos der 60er bis 80er Jahre präsentieren, erweitern wir im Milieu Kino unsere diesjährige US-amerikanische Palette mit einem Nachmittagsprogramm bestehend aus Trickfilmen für die Kids (und alle anderen), ergänzt mit Subkultur-affinen Klassikern und einer Portion Grindhouse. Die Tage beginnen um 14 Uhr mit Kurzfilmprogrammen der LOONEY TUNES, gefolgt um 16 Uhr von einem 35mm-Screening für die etwas Älteren.
| 11.09.24 Rabet Park | |
| 14:00 Uhr | LOONEY TUNES I Kurzfilmrolle, ca. 70′, dt. Fassung, File |
| 16:00 Uhr | WILD STYLE US 1983, R: Charlie Ahearn, D: Lee Quiñones, Lady Pink, Fab 5 Freddy, 82’, OmU, 35mm |
| 12.09.24 Rabet Park | |
| 14:00 Uhr | LOONEY TUNES II Kurzfilmrolle, ca. 70′, dt. Fassung, File |
| 16:00 Uhr | SKATEBOARD US 1978, R: George Gage, D: Allen Garfield, Kathleen Lloyd, Leif Garrett, 97’, engl. OV, 35mm |
| 13.09.24 Rabet Park | |
| 14:00 Uhr | LOONEY TUNES III Kurzfilmrolle, ca. 70′, dt. Fassung, File |
| 16:00 Uhr | ROLLERBABIES US 1976, R: Carter Stevens, D: Susan McBain, Alan Marlow, Terri Hall, 84′, engl. OV, 35mm |
Retrospektive | BAD GIRLS GO TO HEAVEN







US 1974, R: Stephanie Rothman, D: Sarah Kennedy, Laurie Rose, Cassandra Peterson, 80’, engl. OV, DCP
„Ich habe ihn so verpackt, wie es mir aufgetragen wurde, nämlich als hübschen, sexy, grafisch starken und (so hoffe ich) komischen Film. Heute nennen Filmwissenschaftler:innen so etwas Second-Wave-Exploitation, aber als ich ihn drehte, war es einfach ein Low-Budget-Exploitation-Film, der transgressiver sein musste als die Filme der großen Studios, um konkurrenzfähig zu sein“, so die Regisseurin Stephanie Rothman 2023 zu ihrem letzten Film. Ähnlich ihrer Vorgängerwerke THE STUDENT NURSES (1970) und GROUP MARRIAGE (1973) ist auch THE WORKING GIRLS eine 68er-haft libertäre Sex- und Beziehungskomödie, die um ein Ensemble ungleicher Frauen kreist, welche sich angesichts ihrer persönlichen (Miss-)Lagen zu einer solidarischen Gemeinschaft zusammenschließen. Und wie ebenso für Rothmans Filmkosmen üblich, schwingt hier eine Menge Zeit- und Lokalkolorit mit: ein sonnendurchflutetes Los Angeles der Striptease-Nachtbars, riesigen Werbereklamen und ur-amerikanischen Diners, ein Kino der Hotpants, weiten Hemdkragen, Batikshirts, der Kleinganoven, Dealer und Spinner.
Und auch wenn Rothmans Kino der 70er stets von Gruppen und ihren Ritualen, Aushandlungen und Konflikten handelt, verliert sie nie ihre liebevoll gezeichneten Figuren aus dem Blick. Dieser Blick ist unaufgeregt und zärtlich – selbst dann, wenn es die Umwelt ihrer Figuren nicht ist.
Mit freundlicher Genehmigung durch Vinegar Syndrome, LLC
| Di 10 Sept | Luru Kino in der Spinnerei |
| 21:00 Uhr | € 7 (6 ermäßigt) |
Retrospektive | BAD GIRLS GO TO HEAVEN










US 1977, R: Roberta Findlay, D: Tara Chung, Jennifer Jordan, Jake Teague, 84’, engl. OV, DCP
Ein Film, der die zwei „extremsten“ Filmgenres aufgreift, sie zusehends eine unheilige Allianz eingehen lässt: A WOMAN’S TORMENT beginnt als satirischer Hardcore-Porno angesiedelt im New-Yorker-Upper-Class-Milieu, um bald darauf den Fokus auf die leidende Karen (Tara Chung) zu richten und damit in düstere Gefilde hinüberzugleiten; Psychohorror und Slasher-Gore halten nun Einzug. Findlay, die unter dem Pseudonym Robert W. Norman auftritt, interessiert sich nicht bloß für den Wechsel von Atmosphären und Perspektiven, sondern eben auch fürs Wechselbad der (Publikums-)Gefühle – für das Eskalationspotential ihres Genremix. Das ist ungewöhnlich für einen Vertreter des kommerziellen, oft formelhaft produzierten Adult Films, bei dem klar sein sollte, „was man bekommt“, bei dem das Ziel in entsprechenden Bahnhofskinos eben darin bestand, ein (männliches) Publikum aufzugeilen. Wahn und handfester Schrecken machen dem Lustprinzip hier einen Strich durch die Rechnung.
A WOMAN’S TORMENT kommt wie die X-Rated Variante des House of Psychotic Women Genres daher, das die feministische Genrehistorikerin Kier-La Janisse mit ihrem Essaybuch gleichen Namens würdigte (2012). Auch die Assoziation zur toxischen Männerwelt von Roman Polanskis stilprägendem Horrordrama REPULSION (1965) liegt nahe. Bei allem Traditionsbewusstsein zeigt uns Findlays Film aber auch schlicht, wie radikal der US-Genrefilm der 1970er war – was alles im Kino möglich war.
| Di 10 Sept | Luru Kino in der Spinnerei |
| 19:00 Uhr | Mit einem Videointerview zwischen André Malberg (Filmsammler und -historiker) & Roberta Findlay € 7 (6 ermäßigt) |
Carte Blanche | DIE KINOTHEK ASTA NIELSEN







KURZFILMROLLE & GESPRÄCH
Benannt nach der dänischen Schauspielerin und vermutlich ersten globalen Stummfilmikone Asta Nielsen (1881–1972), gründete sich die Kinothek Asta Nielsen als feministische Filminitiative 1999 in Frankfurt am Main. Als Verein von Filmliebhaber:innen nimmt sich die Kinothek seitdem der Wiederentdeckung, Archivierung und Präsentation der Filmarbeit von Frauen und LGBTQI-Menschen an. Das Bemühen, diese und deren Arbeiten durch zahlreiche Filmreihen, Einzelveranstaltungen und Publikationen erneut sichtbar zu machen, ist dabei nicht aus einem nostalgischen Impuls heraus begründet, als vielmehr mit dem Ziel verbunden, Zusammenhänge und Ursachen zu beschreiben, die zu deren Verdrängung beziehungsweise unterbrochenen Rezeptionsgeschichte geführt haben. Das Filmfestival Remake. Frankfurter Frauen Film Tage, das seit 2018 jährlich ausgerichtet wird, zählt zu den jüngeren Aktivitäten der Kinothek und stellt einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung moderner Modelle zur Kino- und Archivarbeit sowie der zeitgemäßen Vermittlung von Filmgeschichte dar.
Im Zuge einer Kooperation haben wir die Betreiber:innen eingeladen, eine Kurzfilmrolle mit Arbeiten aus ihrem Archiv zusammenzustellen und über diese ins Gespräch zukommen. Neben den präsentierten Filmen selbst soll es unter anderem um das Erschließen von Kinoräumen sowie das Entdecken und Öffentlichmachen von Vergessenem gehen.
Die analoge Auswahl beinhaltet etwa Ula Stöckls Debütfilm ANTIGONE (1964), in dem sie die zentralen Konflikte des Tragödienstoffes auf die reinen Handlungsmomente reduziert sowie Matthias Müllers Found Footage-Streifen HOME STORIES (1990), eine Collage aus US-Melodramen und Kriminalfilmen der 1950er und 1960er Jahre. Erzählroutinen und wiederkehrende Klischees erlauben es Müller, Szenen aus verschiedenen Filmen mit unterschiedlichen Protagonistinnen nahtlos ineinander übergehen zu lassen: Stars wie Tippi Hedren, Kim Nowak und Grace Kelly telefonieren, schlafen unruhig, lauschen an der Tür, sind entsetzt. Ihre Bewegungen und Gesten wirken in der Montage geradezu choreografiert. Gleichzeitig zeigt Müllers Bearbeitung, wie Frauen zum voyeuristischen Opfer eines filmischen (= männlichen) Blicks werden. In Cathy Joritz’ zweiminütiger, humorvoller Rachefantasie von 1985 geht Joritz den Titel gebenden „Negative Man“ über den Umweg des Filmmaterials an: Ihren visuellen Kommentar hat die Regisseurin direkt in die Filmschicht gekratzt.
HOME STORIES
DE 1990, R: Matthias Müller, ohne Dialog, 6‘, 16mm
TAKE COURAGE
DE 1987, R: Maija Lene Rettig, ohne Dialog, 9’, 16mm
MAMMA HERMMERS GEHT MIT IHREM PASTOR ZUM LETZTEN MAL ÜBER’N HEINRICHPLATZ: KREUZBERG ADIÖ
DE 1981, R: S.M. Rosi, deutsche OV, 9’, 16mm
FAMILIENGRUFT – EIN LIEBESGEDICHT AN MEINE MUTTER
DE 1981, R: Maria Lang, deutsche OV, 10’, 16mm
ANTIGONE
DE 1964, R: Ula Stöckl, deutsche OV, 9’, 16mm
KUGELKOPF
AT 1985, R: Mara Mattuschka, ohne Dialog, 6’, 16mm
ES HAT MICH SEHR GEFREUT
AT 1987, R: Mara Mattuschka, deutsche OV, 2’, 16mm
JOHNNY ODER DAS ROHE FLEISCH
DE 1984, R: Eva Heldman, deutsche OV, 4’, 16mm
KOOL KILLER
DE 1981, R: Pola Reuth, ohne Dialog, 5’, 16mm
NEGATIVE MAN
DE 1985, R: Cathy Joritz, engl. OV, 2’, 16mm
| Mo 9. Sept | Schaubühne Lindenfels |
| 21:00 Uhr | In Anwesenheit von Lou Deinhart (Kinothek Asta Nielsen) € 7 (6 ermäßigt) |