ES/FR/LU 2019, R: Oliver Laxe, D: Amador Arias, Benedicta Sánchez, 85’, OmeU, DCP
Nach dem Dreh seiner ersten beiden Filme in Marokko kehrt Regisseur Oliver Laxe in seine Heimat Galicien zurück, um die Geschichte einer Rückkehr zu erzählen. Amador, ein Brandstifter, kommt nach dem Absitzen seiner Gefängnisstrafe zurück in sein Heimatdorf, zum Haus seiner Mutter Benedicta und ihren Feldern und Tieren. Gerahmt von dokumentarischen Szenen bewegt sich das Geschehen behutsam vorwärts, fest eingehüllt in das althergebrachte Schweigen zwischen Mutter und Sohn, das sich zwischen den nicht-professionellen Schauspieler*innen entfaltet.
Die Repetition von ländlichen Riten und Arbeiten, eine fragmentierte Konkretheit der ausführenden Körper und Hände, die an Bresson erinnert, dazu im Wechsel Einstellungen, in denen die Charaktere mit der Landschaft verschmelzen. Die Struktur der 16 mm-Bilder schafft ein anthropologisches, zeitloses Register. Es erzählt von Intensität und Feuchtigkeit, von Wind und Feuer eines schönen und harten Landes, das als Metapher für das gestutzte Leben des Protagonisten und die Tiefe der bedingungslosen Liebe dient, die ihn beschützt. Jurypreis in Cannes 2019 in der Reihe Un Certain Regard.
| Sa 28.08. | Schaubühne Lindenfels |
| 19 Uhr | Einführung von Ricardo Apilánez regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ im Doppel: 11€ / ermäßigt 9€ |
mit Unterstützung der Botschaft von Spanien in Berlin

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ES 2019, R: Silvia Navarro, Miguel G. Morales, Dok, 63’, OmeU, DCP
Aus mehr als dreißig Filmarchiven wählten Silvia Navarro und Miguel Morales Bilder aus, um ihren dokumentarischen Essay über die manipulative Macht der Bilder zu verfassen. Thema ist die Schaffung des Mythos der Guanchen, indigene Bewohnerinnen der Kanarischen Inseln, und die Geschichte der spanischen Herrschaft über das Gebiet bis zur Franco-Diktatur. Der Anthropologe Luis Diego Cuscoy spürte zwischen den 1940er und 70er Jahren den Überresten der Guanchen und dem Überleben ihrer Kultur unter damaligen Zeitgenoss*innen nach.
Er dokumentierte seine Forschung auf Film und Tonband. Diese Aufnahmen, ergänzt durch Propaganda- und Interviewmaterial aus diversen Quellen, erweisen sich in neu aufgearbeiteter Form als wirksames Instrument einer politischen Archäologie, die eine Neuinterpretation der Geschichte ermöglicht. Die Hintergründigkeit, die durch die Auswahl der Ausschnitte und deren Montage erreicht wird, ist überraschend und fesselt. Der Film oszilliert zwischen Legendenbildung und Geschichte, Phantasie und Zeugnis, Repräsentation und Spontaneität. Großer Preis für den besten Film beim IndieLisboa Festival 2019.
| Sa 28.08. | Schaubühne Lindenfels |
| 21 Uhr | In Anwesenheit von Miguel G. Morales regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ im Doppel: 11€ / ermäßigt 9€ |
mit Unterstützung der Botschaft von Spanien in Berlin

ES 2019, R: Nuria Giménez, D: Ilse Ringier, Frank Lorang, 72’, OmeU, DCP
„Lügen sind nur eine andere Art, die Wahrheit zu sagen“. Dieses ambivalente Zitat eröffnet die außerordentliche, archäologische Arbeit an einer Geschichte, die Nuria Giménez in ihrem ersten Langfilm mit Mitteln der Vorstellungskraft vorantreibt. Erzählt wird eine 20-jährige Ehe – auf Basis des Tagebuchs von Vivian Barrett: ihre Einträge sind in den Untertiteln zu lesen und werden ergänzt durch 16 mm-Farbbilder, die ihr glamouröses Leben aus Sicht ihres Mannes Léon schildern – Gedanken mal untermauernd, mal in Frage stellend, dabei in ihrer visuellen Kraft immer hypnotisierend.
Es entfaltet sich ein Spiel um Aufrichtigkeit und Verstellung, Freiheit und Unterdrückung. Eine beunruhigende Dialektik nistet sich ein zwischen Gezeigtem und Verborgenem, das in einem unergründlichen Außen zurück bleibt; groß wie der Rest der Welt, perverse Synthese von Unzufriedenheit und Herablassung. MY MEXICAN BRETZEL spielt mit Erzählstrategien, der Wahrhaftigkeit von Bildern, ihrer Dekontextualisierung und Neuinterpretation – auf Ebene der Protagonist*innen wie auf der rezeptiven der Zuschauenden. Eine Arbeit mit durch und durch filmischem Bewusstsein: in der Schrift, in den Texturen, im Rhythmus, im Ton – ein Beziehungsporträt, das aus dem Vertrauten ins Politische überläuft.
| So 29.08. | Schaubühne Lindenfels |
| 19 Uhr | Mit einer Einführung von Ricardo Apilánez regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ im Doppel: 11€ / ermäßigt 9€ |
mit Unterstützung der Botschaft von Spanien in Berlin

ES 2019, R: Eloy Enciso, D: Misha Bies Golas, Nuria Lestegás, Celsa Araújo, 90’, OmeU, DCP
In einer kleinen Stadt in Galicien kehrt nach dem Bürgerkrieg in Spanien ein Gespenst zurück; oder etwas, das eines sein sollte. Ein politischer Häftling, der vor Kurzem entlassen wurde, wandert durch die Straßen und flieht vor Bedrohung in die Wälder. Auf seinem Weg wird ihm durch Bekanntschaften, die er macht, das Franco- Regime gewahr, das alle erfasst hat: von Bettelnden bis zum Bürgermeister, von den Arbeitern und der Bourgeoisie bis hin zur Mutter ohne Sohn. Eloy Enciso gestaltet seinen dritten Spielfilm auf eine zutiefst beunruhigende Weise: Die Nacht im Titel ist nicht nur Metapher der langen Diktatur, sie ist auch Zuflucht und Alptraum der Verfolgten, sowie die natürliche Umgebung der Gespenster, durch welche sich die Vergangenheit Zutritt verschafft.
Denn es geht hier nicht nur um Erinnerung, sondern darum der Gegenwart den Spiegel der Geschichte vorzuhalten. Der Film tastet sich sowohl ins Abstrakte als auch ins Konkrete vor. Die Dramatik erwächst nicht aus Schauspiel oder Inszenierung, sondern aus der Struktur selbst: unterstützt von immer nachdrücklicheren Texten – zuerst theatrale Dialoge, dann Zeuginnenaussagen von Exilautorinnen und schließlich Briefe von zum Tode Verurteilten – der leuchtenden Nachtfotografie von Mauro Herce und der Schutzlosigkeit des Protagonisten.
| So 29.08. | Schaubühne Lindenfels |
| 21 Uhr | In Anwesenheit von Eloy Enciso regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ im Doppel: 11€ / ermäßigt 9€ |
mit Unterstützung der Botschaft von Spanien in Berlin

SY/LB 2015, R: Sara Fattahi, Dok, 98’, OmeU, DCP
Grelles Tageslicht dringt nur hie und da in die abgedunkelten Zimmer der geräumigen Großstadtwohnung. Ein schemenhafter, von der Kamera atmosphärisch eingefangener Mikrokosmos im kriegsgezeichneten Damaskus ist im Folgenden der Schauplatz eines gesamtgesellschaftlichen wie privaten Dramas. Drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen leben hier: Großmutter, Mutter und die Tochter bzw. Enkelin Sara, die Filmemacherin, die mit COMA ein experimentelles „Home Movie“ geschaffen hat. Während draußen der Krieg tobt – immer wieder dringt das Zeitgeschehen über den laufenden Fernseher oder das Radio in die privaten Räume ein – tragen die Familienmitglieder Kämpfe mit sich selbst, aber auch untereinander aus.
Dem Ausnahmezustand der Stadt entspricht die zunehmende Lähmung der Bewohnerinnen. Das Immergleiche des verriegelten Alltags wird poetisch mit Passagen verwoben, in denen das Vergangene mit dem Gegenwärtigen kollidiert, die seelische Belastbarkeit der Protagonistinnen an ihre Grenzen gerät. Vor allem dem eindrücklichen Gesicht Saras Mutter, das die Kamera behutsam aus nächster Nähe abmisst, scheint kaum noch Hoffnung auf ein besseres Leben eingeschrieben. Am Ende ist es Sara, die die Wohnung verlässt.
| Mo 30.08. | Schaubühne Lindenfels |
| 19 Uhr | In Anwesenheit von Sara Fattahi regulär: 6,5€ / ermäßigt 5,5€ im Doppel: 11€ / ermäßigt 9€ |














