









PS/DE/QA/BR/FR 2025, R: Kamal Aljafari, 78’, OmeU, DCP
A FIDAI FILM ist ein Found-Footage-Film über die gewaltsame Aneignung und die Wiederaneignung palästinensischer Bilder. Im Sommer 1982 beschlagnahmte die israelische Armee während der Invasion Beiruts das Archiv des Palestine Research Center mit historischen Dokumenten, Fotografien und Filmen zur palästinensischen Geschichte. Die dort verwahrten Bilder wurden später neu geordnet, umbenannt und in israelischen Archiven verwaltet. Eine Filmrolle zeigt etwa die Orangenernte in Qalandia im Jahr 1957 – archiviert unter der Bezeichnung, sie zeige „Terrorist:innen“.
Ausgehend von diesem Verlust entwickelt Kamal Aljafari eine filmische Gegenbewegung: eine „Kamera der Entrechteten“, die das geraubte visuelle Gedächtnis zurückfordert. Mit den Mitteln des experimentellen Found Footage bearbeitet er das Material radikal. Archivtexte werden überschrieben, Bilder verdeckt, Figuren ausgeschnitten oder durch neue Bildebenen ersetzt. Diese Akte der Manipulation sind keine Zerstörung, sondern ein Versuch, die ideologischen Spuren der Archivierung sichtbar zu machen. A FIDAI FILM ist zugleich Gegenarchiv und Widerstandsgeste: eine poetische Reflexion über Erinnerung, Identität und die Macht darüber, wer Geschichte erzählen darf.
| Sa 12 September 2026 | Luru Kino |
| 20:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |




Kamal Aljafari (*1972) ist ein palästinensischer Filmemacher. Er lehrte an der New School in New York und an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Seine Verdienste wurden mit Stipendien am „Film Study Center – Radcliffe Institute“ an der Harvard University und zuletzt am „Institute for Ideas and Imagination“ der Columbia University gewürdigt. Er hat insgesamt zwölf Kurz- und Spielfilme gedreht. A FIDAI FILM gewann den Großen Preis der Jury bei Visions du Réel 2024. MIT HASAN IN GAZA erhielt 2025 den Europa Cinemas Label Award auf dem Filmfestival Locarno.
Das Sichtbarmachen dessen, was in dominanten Erzählungen zu fehlen scheint, schwer auszumachen ist, ist eine Konstante des Schaffens von Kamal Aljafari. Mit seinen beiden letzten Langfilmen geben wir dem subversiven Akt, Unsichtbares sichtbar zu machen, Raum. Seine Arbeiten erweitern die konzeptionellen und formalen Grenzen, die durch eine konventionelle Filmästhetik vorgegeben sind – sie erkunden ein neues Terrain politischen Kinos, das angesichts der Realität eine mögliche „filmische Gerechtigkeit” fordert, die weit über objektiven Historizismus und den didaktischen Dokumentarfilm über soziale Themen hinausgeht. Dabei überwiegt eine künstlerische Subjektivität, während die Idee des Kinos als Instrument der Kolonialisierung und Unterdrückung dekonstruiert wird. Zugleich sehen wir, wie Aljafari das Wiederaneignungspotenzial von vorgefundenem Material erforscht und sich kopfüber in unterschiedlichste Archivmaterialien stürzt, immer flankiert von einer präzisen, rigorosen Tonarbeit. Seine filmische Beschäftigung fungiert als Akt des Widerstands. Um tiefer in die Bild- und Gedankenwelten der Filme eintauchen zu können, wird seine langjährige Mitarbeiterin und Produzentin Flavia Mazzarino bei beiden Screenings zum Gespräch anwesend sein.
| Sa 12 September 2026 Luru Kino | |
| 18:00 Uhr | MIT HASAN IN GAZA PS/DE/FR/QA 2025, R: Kamal Aljafari, 106’, OmeU, DCP In Anwesenheit von Flavia Mazzarino (Produzentin und Mitarbeiterin von Kamal Aljafari) |
| 20:00 Uhr | A FIDAI FILM PS/DE/QA/BR/FR 2025, R: Kamal Aljafari, 78’, OmeU, DCP In Anwesenheit von Flavia Mazzarino (Produzentin und Mitarbeiterin von Kamal Aljafari) |







DE/GE 2025, R: Alexandre Koberidze, D: David Koberidze, Irina Chelidze, Giorgi Bochorishvili, OmeU, 186’, DCP
In DRY LEAF folgt Irakli den Spuren seiner verschwundenen Tochter durch die entlegensten Dörfer Georgiens. Gemeinsam mit ihrer Freundin – einer nur hörbaren, unsichtbaren Begleiterin – besucht er jene Fußballplätze, die Lisa zuletzt für eine Fotoserie fotografiert hat. Die Reise gleicht dabei weniger einer Fahndung als einer behutsamen Annäherung an eine Abwesende.
Alexandre Koberidze lotet die Möglichkeiten einer radikal reduzierten Filmsprache weiter aus. Die Bilder einer bewusst einfachen Smartphone-Kamera entziehen sich dokumentarischer Eindeutigkeit: Konturen lösen sich auf, Gesichter bleiben schemenhaft, Licht und digitale Artefakte bestimmen die Wahrnehmung. Gerade aus dieser visuellen Unbestimmtheit gewinnt der Film seine Kraft. Wo das Bild seine Aussage zurücknimmt, beginnt der Ton zu erzählen. Stimmen, Wind und die Kompositionen von Giorgi Koberidze verleihen selbst dem Unsichtbaren Präsenz – DRY LEAF macht hörbar, was er nicht zeigt. So entsteht ein außergewöhnliches Zusammenspiel von Bild und Klang, das daran erinnert, dass das Wesentliche oft dort beginnt, wo die Gewissheit des Sehens endet.
| Sa 12 September 2026 | Luru Kino |
| 14:00 Uhr | € 7,50 (6,50 ermäßigt) |
POOR IMAGES




Ein armes Bild ist ein unterschätztes Bild und ein Gegenbild braucht ein Ursprungsbild. Eine Relation. Etwas, an dem zu reiben sich lohnt. Das GEGENkino verkörpert seit Minute eins unser Interesse an widerständigen, unbequemen, nonkonformen, experimentierfreudigen und sinnlichen Versuchen, Haltung zu zeigen, Film als eine Sprache in Bewegung weiterzubringen, neue Erfahrungen mit Räumen und Licht, Geräuschen und Musik, Materialien und Anordnungen zu machen.
Mit dem diesjährigen Schwerpunkt POOR IMAGES werfen wir einige (extrem subjektive) Perspektiven auf Kunstwerke, denen Perfektion ein Gräuel ist. Wir richten unsere Sinne auf diese unreinen und fehlerhaften, paradoxerweise sogleich marginalisierten wie dominanten Formen von Bildern. Inspiration und Namensgeber war uns dabei Hito Steyerls Essay „In Defense of the Poor Image“. Darin beschreibt sie auf wenigen Seiten pointiert die politischen, ästhetischen, sozialen, kommerziellen und globalen Bedingungen von armen Bildern, die vervielfältigt, bearbeitet und getauscht, gedownloadet, geächtet und dauerkonsumiert werden. Dauerkonsum ist ja schön und gut, aber ab wann wird aus einer Ansammlung von Pixeln eigentlich ein Bild, aus einem Handyvideo ein Film? Wo treiben die elitären Logiken von Qualität, Kanon und Geschmack ihre Nägel ins Fleisch der ungebremsten, hierarchiebefreiten Kreativität?
Mit der Popularisierung der günstigen VHS-Technik in den 80er Jahren und den ersten, ungelenken Handykameras waren Wellen der Demokratisierung des Filmemachens verbunden. Neue Möglichkeiten der Teilhabe und der globalen Vernetzung eröffneten sich plötzlich und die Gräben zwischen künstlerischer Vision, Produktion, technischem Handwerk, Vermarktung, Präsentation, Archivierung und Kuration schienen endgültig zugeschüttet. Ab und an wurde auch mal die ein oder andere Machtdynamik aufgebrochen. Bis der sich selbst verdauende Killerkapitalismus wieder das Meiste zurecht geruckelt hat. Endlich also 8K. Pure. Visual. Perfection. Porentief rein. Wir sind ganz schön arm dran. Machen wir das Beste draus!
| Do 10 Sept 2026 Luru Kino | |
| 21:00 Uhr | DRINKING AND DRIVING CA 2026, R: Avalon Fast, Jillian Frank, D: Avalon Fast, Jillian Frank, Ethan Hawksworth, 105’, Englische OV, DCP |
| Sa 12 Sept 2026 Luru Kino | |
| 14:00 Uhr | DRY LEAF DE/GE 2025, R: Alexandre Koberidze, D: David Koberidze, Irina Chelidze, Giorgi Bochorishvili, OmeU, 186’, DCP |
| 18:00 Uhr | KAMAL ALJAFARI | Geschichte ohne Bilder, Bilder ohne Geschichte MIT HASAN IN GAZA PS/DE/FR/QA 2025, R: Kamal Aljafari, 106’, OmeU, DCP In Anwesenheit von Flavia Mazzarino (Produzentin und Mitarbeiterin von Kamal Aljafari) |
| 20:00 Uhr | KAMAL ALJAFARI | Geschichte ohne Bilder, Bilder ohne Geschichte A FIDAI FILM PS/DE/QA/BR/FR 2025, R: Kamal Aljafari, 78’, OmeU, DCP In Anwesenheit von Flavia Mazzarino (Produzentin und Mitarbeiterin von Kamal Aljafari) |
| So 13 Sept 2026 Luru Kino | |
| 15:00 Uhr | FRAUEN IN BERLIN DDR 1981, R: Chetna Vora, 142’, OmeU, DCP Einführung von Tobias Hering. Er ist Kurator sowie Publizist und hat in einer Langzeitrecherche zu Chetna Vora gearbeitet. |
| Mi 16 Sept 2026 UT Connewitz | |
| 21:00 Uhr | IF PIGEONS TURNED TO GOLD CZ/SK 2026, R: Pepa Lubojacki, 110’, OmeU, DCP |
| Do 17 Sept 2026 UT Connewitz | |
| 20:00 Uhr | Die Kunst des ugandischen Live Dubbing | VJ Emmy begleitet EATEN ALIVE IN UGANDA FORGET THE DIRECTOR, THIS IS EMMY’S CUT! UG/DE 2026, R: Marion Desmaret, 11′, OmeU, DCP EATEN ALIVE IN UGANDA UG 2026, R: Nabwana I.G.G., D: Alan Hofmanis Ssali, Isaac Newton Kizito, Mwebaza Faridah, 55′, OV mit Live-Kommentar, File |
| Fr 18 Sept 2026 Luru Kino | |
| 22:00 Uhr | PAST FUTURE CONTINUOUS IR/NO/IT 2025, R: Morteza Ahmadvand, Firouzeh Khosrovani, 80’, OmeU, DCP |
| So 20 Sept 2026 Luru Kino | |
| 19:00 Uhr | Ordinary Errors: everything about yourself AND WE ALL SHINE ON US 2006, Michael Robinson, 7’, no dialogue, DCP 2020 AT 2021, Friedl vom Gröller, 2’, no dialogue, DCP POV MEMORY SG/AZ 2023, Igor Smola, 13’, OV with English subtitles, DCP S/T CA 2007, Claudio Caldini, 3’, silent, DCP I CHANGE I AM THE SAME US 1969, Alice Anne Parker, Shelby Kennedy, 1’, no dialogue, DCP I WOULD RATHER BE A STONE HR 2024, Ana Hušman, 24’, OV with English subtitles, DCP EXTRA TERRESTRIAL US 2004, Rhyne Piggott, Ben Russell, 11’, no dialogue, DCP SUPERMAN XK 2002, Sokol Beqiri, 3’, no dialogue, DCP, Lender: Kontakt Collection, Vienna F1GHTING LOOKS DIFFERENT 2 ME NOW Mesa Grande Reservation/US 2022, Fox Maxy, 11’, English OV, DCP |










BR/PT 2025, R: Guto Parente, D: Noá Bonoba, Tavinho Teixeira, Nataly Rocha, 85′, OmeU, DCP
Madalena ist Filmproduzentin und im achten Monat schwanger. Sie will mit ihren Freund:innen einen Low-Budget-Science Fiction drehen, als Anerkennung für ihren Vater, der das Drehbuch geschrieben hat und gerade verstorben ist. Als Davi, der Regisseur und ihr Ex-Mann, auf mysteriöse Weise vom Filmset verschwindet, bringt das Madalena in Zugzwang: sie muss alles dafür tun, damit der Film fertig ist, bevor ihr Kind geboren wird. Oswaldo, der die Regie übernimmt, hat einen etwas ausschweifenden Stil: bei den Dreharbeiten klettert er auf ein Soundsystem und beginnt zu strippen. In all dem versucht Madalena stoisch ihrem Verlangen nach einer Zigarette nicht nachzugeben.
An der Küste Nordbrasiliens versammelt Parentes trocken humorvoller Film ein liebenswertes Ensemble, wandelt zwischen schrulliger Telenovela mit leuchtenden Farben und Sentimentalität und Melodram mit politischer Haltung. Letztere wird dabei nie explizit in den Vordergrund gestellt, sondern ist durchweg in der Schilderung der kollektiven, keineswegs perfekten, Anstrengung des Filmdrehs präsent. DEATH AND LIFE MADALENA ist eine Ode an nonkonforme Künstler:innen und ihre gegenseitige Solidarität, an die befreiende Kraft der Selbstironie und queere Freund:innenschaft.
| Do 10 September 2026 | Luru Kino |
| 19:00 Uhr | Deutschlandpremiere € 7,50 (6,50 ermäßigt) |