10.09.26 | DRINKING AND DRIVING (CA 2026, Avalon Fast, Jillian Frank)

CA 2026, R: Avalon Fast, Jillian Frank, D: Avalon Fast, Jillian Frank, Ethan Hawksworth, 105′, Englische OV, DCP

Iris und Palmer sind Anfang 20 und beste Freundinnen. Sie haben beide nie die Kleinstadt verlassen, in der sie geboren wurden. Sie arbeiten im selben Restaurant, sie teilen sich ein Bett und ein Telefon, sie fahren gern mit dem Auto herum und trinken dabei. Eines Tages begegnen sie Levi, den sie von früher kennen und beginnen mit ihm und seinem Cousin Phoenix Zeit zu verbringen – in Autos, auf Parkplätzen, in Wohnungen und Betten anderer Leute. Als Levi einen Traum mit Iris erzählt, kommt es zu Veränderungen in der Gruppe. 

Die Regisseurinnen Avalon Fast und Jillian Frank stehen in DRINKING AND DRIVING sowohl hinter als auch vor der Kamera in den beiden Hauptrollen. Der Hangout-Film strahlt eine unbekümmerte Melancholie aus, die verträumte Ästhetik seiner Lo-Fi Handkamera schwenkt um Autos wie Körper und Gedanken herum und schafft ein sommerliches Porträt voll Ziellosigkeit und sinnlicher Selbstvergessenheit der jungen Arbeiter:innenklasse im ländlichen Kanada. Sein authentisches Gespür für Orte und Figuren vermitteln das Gefühl Einblicke in private Welten zu bekommen – ähnlich wie frühe Filme von Larry Clark aus den 90ern, nur aus dezidiert weiblicher Perspektive.

Do 10 September 2026Luru Kino
21:00 UhrDeutschlandpremiere
€ 7,50 (6,50 ermäßigt)

11.09.26 | Mondflug mit Schlagwerk – FM Einheit vertont KOSMISCHE REISE

KOSMISCHE REISE (KOSMIČESKIJ REJS)

SU 1936, R: Wassili Schurawljow, D: Sergei Komarow, Xenija Moskalenko, Wassili Gaponenko 70′, OmeU, DCP 

KOSMISCHE REISE von Wassili Schurawljow ist der letzte sowjetische Stummfilm und entstand zu einer Zeit, als sich der Tonfilm schon längst durchgesetzt hatte. Der Film zeigt ein fiktives Moskau des Jahres 1946 als Zukunftsstadt: das Raumfahrtsprogramm ist technisch soweit fortgeschritten, dass eine Rakete ins Weltall geschossen werden kann. Professor Pavel Sedikh, der eine Expedition zum Mond leiten soll, wird von seinem Rivalen Professor Karin als zu alt und psychisch ungeeignet für die Mission angesehen. Unterdessen misslingen die ersten Raketentests: das zuerst gestartete Kaninchen kommt ums Leben, eine Katze verschwindet spurlos. Mit Hilfe seiner Assistentin Professorin Marina und des jungen Andrjuscha schafft Sedikh einen erfolgreichen Start, Flug und eine Landung auf dem Mond, bei der sich die Crew mit auftretenden Problemen auseinandersetzen muss: der Schwerelosigkeit, dem Mangel an Sauerstoff oder ausreichender Körperwärme bei Temperaturen unter Null Grad. Ihre Mission wandelt sich zu einer Rettungsaktion, als Sedikh bei einer Mondwanderung ausrutscht, in eine Gletscherspalte stürzt, unter einem Felsbrocken eingeklemmt wird und ihm langsam der Sauerstoff ausgeht.

Eines der ästhetischen Merkmale des Films ist die erstaunlich realistische Abbildung einer Reise zum Mond, bevor solche Szenarien wirklich stattgefunden haben. Begünstigt durch die Mitarbeit des Wissenschaftlers und Begründers der modernen Kosmonautik Konstantin Ziolkowski schildert der Film ästhetisch in äußerst akkurater Vorhersage das Versuchslabor, den riesigen Hangar, das Raumschiff und seine Treibwerke sowie dessen Innenraum und Beleuchtung, die Raumanzüge und die Mondoberfläche. Sowjetische Kosmonaut:innen, die den Film 30 Jahre später sahen, waren beeindruckt von den Kulissen und der Realitätsnähe der Schwerelosigkeits-Szenen, die mit Stop-Motion-Tricktechnik animiert wurden. 

Vertonen wird den Film FM Einheit, der in Sachen Avantgarde und präziser Handarbeit nicht besser zum Film passen könnte. Ob als Schlagzeuger der Hamburger Punkbands „Abwärts“ und „Palais Schaumburg“ oder versteckt hinter allerlei Metallschlagwerk bei den „Einstürzenden Neubauten“, ob als Solokünstler oder in zahlreichen Kollaborationen mit Andreas Ammer und Ulrike Haage von den „Rainbirds“: der musikalische Tausendsassa war und ist stets auf der Suche nach unbetretenen Wegen und fordert immer wieder Hörgewohnheiten heraus. Er bewegt sich sowohl im Konzert-, wie auch im Theater- und Kunstbetrieb und gilt längst auch international als einer der versiertesten und renommiertesten deutschen Musiker. 

Das Bühnensetup besteht aus digitaler Elektronik, von der Decke herab hängenden, langen Metallfedern, Blechen, einem Tisch voller Ziegel und Gesteinssplit. Dieses diverse, mitunter archaische Instrumentarium wird FM Einheit in einer körperlichen Live-Performance mit seinen Händen, mit Hämmern, Bohrmaschinen und weiteren Gerätschaften perkussiv bearbeiten. Er entlockt den industriellen Materialien flächenartige Sounds, rhythmische Beats bis hin zu sphärischen Klängen, die mit der elektronischen Komposition der interstellaren, utopischen Bilderwelt auf der Leinwand eine Schicht hinzufügen, in der es immer wieder knirscht, kratzt und wummert. 

Fr 11 September 2026UT Connewitz
20:00 UhrVVK: € 15,50 (AK: € 20)

GULYABANİ (NL/TR 2018 Gürcan Keltek)

NL/TR 2018, R/D: Gürcan Keltek, Dok/Doc 35’, OmeU/OV with English subtitles, DCP

Gulyabani. In der türkischen Mythologie ein Wesen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Ein Djinn. Ein Ghoul. Ein kleines Mädchen aus Ìzmir wird dafür gehalten. Sie kann Tote sehen. Und kalte Herzen. Von der eigenen Familie eingesperrt, wird es als Wahrsagerin, Medium und Talisman missbraucht. Nach dem Putsch von 1980 wird sie schließlich von faschistischen Paramilitärs für ähnliche Zwecke entführt und in einer Mine festgehalten. Filmemacher Gürcan Keltek nimmt nach seiner lyrischen Dokumentararbeit METEORS die Tagebücher und Berichte einer Verwandten als Ausgangspunkt, um eine weitere klanglich und visuell beeindruckende Reise zu beginnen, in der sich Biografie und Geschichte, Aberglauben und Staatsterror, Kosmisches und Irdisches assoziativ vebinden. Luzide Phasen wechseln sich ab mit dunklem Terrain. Wir betreten jäh die Welt der Geister, verirren uns in flüchtigen Erinnerungsbildern, die zu lange im Silber lagen, verblasst sind vom Lichtentzug, porös durch unzählige Jahre Leben, überschichtet mit Erzählungen und vernarbt von seelischen Wunden.

Do 11.April 20 Uhr – UT Connewitz – € 6,5 (5,5erm.)


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La Casa Lobo / Das Wolfshaus (CL 2018, Cristóbal León & Joaquín Cociña)

CL 2018, R: Cristóbal León & Joaquín Cociña, 75’, OmdU/OV with German subtitles, DCP

Ein Imagefilm stellt sie vor: die Colonia Dignidad. Mit süßlicher Erzählerstimme berichtet der „Hirte“ vom Leben in der Gemeinschaft aus deutschen Aussiedlerinnen, räumt mit unliebsamen Gerüchten auf und erwähnt auch Maria. Maria konnte fliehen und mit ihr zwei kleine Schweinchen. Im Wald findet sie ein Haus und versteckt sich mit den Gefährten darin vor den Klauen des Wolfs. Es raschelt, knarrt und knackst, im Innern und Außen. Die Welt der traumatisierten, jungen Frau im ersten abendfüllenden Spielfilm der chilenischen Puppen- und Animationskünstler ist eine sich stets wandelnde. Farbe fließt an den Wänden entlang und formt Gesichter. Die Körper aus Pappmaché zerlaufen und bilden sich neu. Alles bröckelt, wackelt, stöhnt und starrt. Grundlage für DAS WOLFSHAUS war eine Serie von Ausstellungen, in der die Besucherinnen Anteil nehmen konnten am Entstehungsprozess. Die durch Stop-Motion- Technik zum Leben erweckten Arrangements wurden durch minutiöse Kleinarbeit in Europa und Südamerika realisiert. Im filmischen Resultat vereinen sich die großflächigen Malereien und die virtuose Skulpturkunst mit Geräuschen, Stimmen und Volksliedern zu einem ebenso intensiven wie berührenden Alptraum, der zugleich eine politische Parabel ist auf die Schreckensherrschaft Augusto Pinochets.

11. April, 20 Uhr – UT Connewitz – € 6,5 (5,5 erm.)


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Geschichten Vom Kübelkind (BRD 1971 Ula Stöckl, Edgar Reitz)

BRD 1971, R: Ula Stöckl, Edgar Reitz, D: Kristine de Loup, Bruno Bendel, Alf Brustellin, 22 Episoden, Gesamtlänge: 220’, OmeU, digital

Das Kübelkind – im Wienerischen Schmäh die Bezeichnung für die Nachgeburt und für das Wegzuwerfene, den zivilisatorischen Ausschuss – wuchs als solcher Überrest in einer Mülltonne heran und soll nun in die bürgerliche Gesellschaft integriert werden. So zumindest der Plan, von dessen Scheitern insgesamt 22 Episoden erzählen. Das Kübelkind ist frivol, hedonistisch, schmutzig, allzu neugierig, klaut, fickt, verführt und signalisiert diese Gefahr für die wohlgeordneten Verhältnisse bereits in seiner Erscheinung: rote Schuhe, rote Socken, rotes Kleid. Das Kübelkind geht in die Schule und die Kirche, es durchreist die Zeit und lässt die Realität hinter sich, trifft Al Capone, verwandelt sich in einen Vampyr und landet auf dem Scheiterhaufen. Aber selbst die angedrohten tausend Tode sorgen nicht dafür, dass es sich anpasst.
Nur heute Abend wird die Pracht zum Kneipenkino, zum Kübelkindkino. Die Gäste können einzelne Episoden von der Speisekarte wählen.

11. April, 22:30 Uhr – Pracht (Wurzener Straße 17, 04315) – Eintritt frei